Der geeignetste Leistungsvergleich der Entwürfe, um die beste Lösung für individuelle Bauaufgabe zu finden.

Wettbewerbswesen

Die 91. Bundeskammerversammlung verabschiedet Compliance-Papier der Architektenkammern zu Planungswettbewerben und Mehrfachbeauftragungen

Mit großer Mehrheit hat die 91. Bundeskammerversammlung der Bundesarchitektenkammer am 14.9.2018 ein Compliance-Papier der Architektenkammern zu Planungswettbewerben und Mehrfachbeauftragungen verabschiedet. Ziel ist es, der Architektenschaft, aber auch den Auftraggebern und der Öffentlichkeit insgesamt die Bedeutung geregelter Planungswettbewerbe sowie bei Mehrfachbeauftragungen eine angemessene, d.h. HOAI-konforme Vergütung bewusst zu machen:

"Architekteninnen und Architekten aller Fachrichtungen sowie Stadtplanerinnen und Stadtplaner haben als Angehörige eines freien Berufes für ihre Auftraggeber, aber auch für die Gesellschaft insgesamt eine hohe Verantwortung. Denn Bauen ist immer auch öffentlich. Auftraggeber müssen auf sorgsamen Umgang mit ihren finanziellen Mitteln und darauf vertrauen, dass ihre Interessen bestmöglich und unabhängig von Dritten umgesetzt werden. Daher müssen die Leistungen der Architektinnen und Architekten sowie Stadtplanerinnen und Stadtplaner angemessen honoriert werden. Den gesetzlichen Rahmen dafür bildet die HOAI.

Besonderheiten gelten für Wettbewerbe. Die Architektengesetze und Berufsordnungen der Länderkammern verpflichten ihre Mitglieder, an Wettbewerben nur dann teilzunehmen, wenn ein „fairer und lauterer Leistungsvergleich“ sichergestellt ist. Vorteil für die Auftraggeber ist, dass sie aus einer Vielzahl von Lösungen diejenige auswählen können, die der gestellten Aufgabe am besten gerecht wird. Im Gegenzug erlauben nach den Regeln für Planungswettbewerbe RPW durchgeführte Wettbewerbe oder nach einer anderen gleichwertigen Wettbewerbsordnung gestaltete Verfahren das Abweichen von einer Honorierung nach HOAI, ohne dass berufs- und zivilrechtliche Folgen für Auftraggeber und Auftragnehmer im Raum stehen.

Es ist unser grundsätzliches Ziel als Architektenkammern, möglichst jedes konkurrierende Verfahren öffentlicher wie privater Auftraggeber als geregelten Wettbewerb durchzuführen. Jederzeit bieten wir unsere Beratung und Mitwirkung an. Die Grundsätze geregelter Wettbewerbsverfahren sind:

  • die Gleichbehandlung aller Teilnehmer
  • die Anonymität der Wettbewerbsbeiträge
  • ein ausreichendes Auftragsversprechen
  • eine angemessene Wettbewerbssumme
  • ein fachlich kompetentes, unabhängiges Preisgericht
  • eine klare und eindeutige Aufgabenstellung
  • die Sicherung der Urheber- und Verwertungsrechte

Verfahren, die diesen elementaren Bedingungen entsprechen und auf eine Wettbewerbsordnung (wie die RPW) Bezug nehmen, werden grundsätzlich registriert. Solche Verfahren dienen dem Wohle der Auftraggeber und sind nicht nur berufspolitisch, sondern auch im Sinne der Baukultur besonders erwünscht.

Davon zu unterscheiden sind sogenannte Mehrfachbeauftragungen oder oberhalb der sogenannten Schwellenwerte der Abruf von planerischen Leistungen innerhalb eines Vergabeverfahrens vor allem durch öffentliche Auftraggeber. Diese Verfahren sind dann nicht zu beanstanden, wenn eine der HOAI entsprechende Vergütung für jeden Teilnehmer sichergestellt ist. In unklaren Fällen helfen die Architektenkammern bei der Bewertung des Sachverhaltes, denn die Materie ist komplex und die Grenzen zu unfairen und unlauteren Verfahren sind nicht immer einfach zu ziehen.

Unabhängig von den rechtlichen Bedingungen gilt es, für unsere Wettbewerbsregeln zu werben, weil sie einfach, sinnvoll, ausgewogen und angemessen sind und vor allem den Grundstein für ein gutes und qualitätsvolles Ergebnis legen.

Aus diesem Grund sollte sich jede Architektin, jeder Architekt, jede Stadtplanerin und jeder Stadtplaner nur an geregelten Planungswettbewerben beteiligen. Sie fördern Innovation und das Ansehen des gesamten Berufstands. Die Beteiligung an ungeregelten Verfahren schadet dem Wettbewerbswesen und birgt zudem die Gefahr, sich dem Vorwurf eines Verstoßes gegen die Berufspflichten auszusetzen.

Solidarität und faires Handeln müssen Leitlinie unserer Mitglieder sein, als Voraussetzung für die Wertschätzung, die sie zu Recht erwarten."

14.9.2018

 

Auszug aus der Präambel der Richtlinie für Planungswettbewerbe (2013)

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"Die Bedeutung des öffentlichen Raums und die Qualität der gebauten Umwelt für unsere Gesellschaft sind unumstritten. Bei großen Bauaufgaben ist es selbstverständlich, dass eben diese Qualität am ehesten mithilfe des Ideen-Wettstreits um die beste Lösung für städtebauliche, architektonische, baulich-konstruktive oder künstlerische Aufgaben erreicht und erhalten werden kann. Aber auch bei kleineren Baumaßnahmen und beim Bauen im Bestand hat sich diese Form der Vergabe von Planungsleistungen bewährt (...)."

 

Wettbewerbsstatistiken

Hier finden Sie die Wettbewerbsstatistiken der vergangenen Jahre, die die Anzahl der Wettbewerbe pro Bundesland und die entsprechenden Details hierzu auflisteten.

 

Beratungsangebote der Länderarchitektenkammern

Hier finden Sie die Informations- und Beratungsangebote der Länderarchitektenkammern zum Wettbewerbswesen.

 

RPW 2013

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Die Richtlinie für Planungswettbewerbe (RPW 2013) wird seit 1. März 2013 im Bereich des Bundeshochbaus angewendet.

 

Warum Wettbewerbe?

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Die Durchführung öffentlicher Planungsaufträge durch Architekten, die geistig- schöpferische Leistungen erbringen, ist gerade im Hinblick auf den öffentlichen Raum, den Umweltschutz, den Verbraucherschutz, die Gewährleistung der öffentlichen Sicherheit, die nachhaltige Entwicklung der Städte und schließlich auch für die kulturelle Identität von herausragender Bedeutung. Dazu bedarf es Auswahlkriterien.

Wettbewerbe fordern dazu heraus, die eigene schöpferische Kraft im direkten Vergleich mit anderen zu messen. Sie sind deshalb hervorragend geeignet, wirtschaftliche und innovative Lösungen schwieriger wie alltäglicher Planungsaufgaben zu finden. Sie fördern die interdisziplinäre Zusammenarbeit und das allgemeine Qualitätsbewustsein.

Wettbewerbe werden für die Öffentlichkeit als Entscheidungsvorbereitung zur Gestaltung unserer Umwelt als demokratischer Prozeß nachvollziehbar. Sie sind Grundlage für die Kommunikation von Ideen zu aktuellen Themen der Umweltgestaltung und dienen dem kulturellen, sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Fortschritt in unserer Gesellschaft.

Wettbewerbe bieten infolge der Anonymität der Teilnehmer eine vorzügliche Möglichkeit für eine nachvollziehbare, nur an sachlichen Kriterien orientierte Vergabe von Planungsaufträgen. Sie geben jedem Teilnehmer ohne Ansehen der Person die gleiche Chance, durch eigene Leistung zu überzeugen.

In den Beratungen eines unabhängigen Preisgerichts können in einem konzentrierten und transparenten Verfahren die besten Entwurfskonzepte und die geeigneten Partner als Grundlage für die weiteren Entscheidungen des Auslobers gefunden werden.

Der erhebliche Aufwand eines Wettbewerbs für Auslober und Teilnehmer ist gerechtfertigt, wenn der Wettbewerb sorgfältig vorbereitet wird, seine Ergebnisse der Lösung der gestellten Aufgabe dienen und zumindest einer der Preisträger die ernsthafte Aussicht hat, an der Verwirklichung seiner Konzeption mitzuwirken.