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BAK-Positionspapier "Energiewende mit Augenmaß" zur 85.BKV

energie- und ressourceneffizientes Bauen "Energiewende mit Augenmaß"

Positionspapier der Bundesarchitektenkammer zur 85. Bundeskammerversammlung am 15.09.2012.

Die Bundesregierung verfolgt mit der Energiewende bis 2050 ein ehrgeiziges Ziel. Der Ausbau der Netze sowie der Bau von Anlagen für erneuerbare Energien beeinflussen das Erscheinungsbild von Stadt- und Landschaftsräumen entscheidend. Energetische Gebäudesanierung, energieeffizientes Bauen und landschaftsverträgliche Energie-Produktion sind Schlüsselbereiche, in deren Fokus eben-so das Gebäude wie auch integrative Planungskonzepte zu Energieeffizienz und Energieerzeugung stehen. Architektinnen und Architekten aller Fachrichtungen sowie Stadtplanerinnen und Stadtplaner bekennen sich zu diesem Umgestaltungsprozess.


1. Energiewende mit Augenmaß

Für Grundbesitzer, Immobilieneigentümer und Bauherren ebenso wie für Mieter und Kommunen muss die Energiewende machbar und bezahlbar sein. Der Aufwand, um den Energiebedarf im Neubau oder durch Sanierungen im Bestand zu senken, muss daher in einem sinnvollen wirtschaftlichen Verhältnis zum Herstellungsaufwand stehen. Gleichzeitig muss mehr über energetische Maßnahmen aufgeklärt und für sie geworben werden. Dazu gehört, sie mit Themen wie Baukultur, Landschaftsverträglichkeit, quartiersbezogenen Energie- und Gestaltungskonzepten, Infrastruktur bis hin zu Altersgerechtigkeit zu verknüpfen.

Die BAK stellt fest: Erforderlich sind integrative Konzepte, die soziale, demographische sowie stadt- und baukulturelle Aspekte berücksichtigen. Da die Grenzen der Wirtschaftlichkeit im Gebäudebereich bereits mit der EnEV 2009 erreicht sind, wird die Bundesregierung aufgefordert, auf Verschärfungen und unnötige Bürokratie in der Novelle EnEV 2012/2013 zu verzichten.

2. Energiewende braucht Förderung

Damit die Energiewende gelingt, müssen Maßnahmen zur Effizienzsteigerung im Gebäudebereich und die Umstellung der Energieerzeugung auf erneuerbare Energien gleichermaßen verfahrenstechnisch und finanziell unterstützt werden. Beide Bereiche sparen annähernd gleich viel Kohlendioxid ein (75 bzw. 79 Mio. Tonnen CO2/Jahr).

Wird die derzeitige Sanierungsrate beim Bauen nicht auf 2 Prozent verdoppelt, werden die vereinbarten Ziele nicht erreicht. Eigentümern und Bauherren muss daher ein deutlicher Ansporn zu mehr Investitionen in energetische Maßnahmen gegeben werden.

Die BAK appelliert an die Bundesregierung, das energieeffiziente Bauen und Sanieren durch steuerliche Anreize zu fördern und die KfW-Förderprogramme auf ein Volumen von jährlich mindestens 2 Mrd. EUR aufzustocken und diese ebenso wie die Städtebauförderung zu verstetigen. Neue Energielandschaften bedingen die Erstellung landschaftsverträglicher Entwicklungskonzepte und deren Förderung.

3. Energiewende mit Architekten und Stadtplanern als Partner

Damit Bauherrn zu optimalen, auf sie zugeschnittenen Lösungen kommen, ist ein breites Spektrum an integraler Fachkompetenz rund um die energetische Planung in Neubau und Bestand sowie in Stadt- und Landschaftsplanung erforderlich.

Um die Suche nach Architektinnen/Architekten und Ingenieurinnen/Ingenieuren zu erleichtern, wurde eine bundesweite Online-Plattform www.energieeffizienz-planer.de eingerichtet. Verzeichnet sind dort Planer der Architekten- und Ingenieurkammern in den 16 Bundesländern, die in den unterschiedlichsten Fragen zur energetischen Optimierung im Neubau, beim Umbau oder bei einer Sanierung sowie bei der Nutzung von Förderprogrammen zur Seite stehen. Sie integrieren in der Planung Aspekte von Sozialverträglichkeit, Demographie, lokaler Wertschöpfung, des Charakters von Landschafts-, Stadt- und Ortsbildern sowie baukultureller Qualität.

Die BAK fordert die Bundesregierung auf, Architektinnen/Architekten und Ingenieurinnen/Ingenieure in unmittelbarer Weise als Expertinnen/Experten für energieeffizientes Planen, Bauen und Gestalten zu berücksichtigen. Als Mitglieder von Körperschaften öffentlichen Rechts stehen sie Immobilieneigentümern und Bauherren mit ihrer Fachkompetenz zur Seite und berücksichtigen Planungsbelange für eine zukunftsfähige Gestaltung von Gebäude und Umwelt.

Berlin, 15. September 2012