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FAQ zu betriebswirtschaftlichen Aspekten

FAQ zu betriebswirtschaftlichen Aspekten

Die Bundesarchitektenkammer hat, unterstützt von den Architektenkammern der Länder, FAQ zu betriebswirtschaftlichen Aspekten veröffentlicht. Dabei dienen die folgenen Inhalte lediglich der allgemeinen Erstinformation. Es wird kein Anspruch auf Vollständigkeit und Richtigkeit erhoben. Diese Handreichung kann eine individuelle Rechts- und/oder Steuerberatung nicht ersetzen. Die Bundesarchitektenkammer übernimmt für die ausgeführten Empfehlungen sowie bereitgestellten Links weder Haftung noch Gewähr.

Ausführliche FAQ zu betriebswirtschaftlichen Aspekten (Stand 23.2.2021) finden Sie hier. (PDF-Dokument, 953.1 KB)

 

1. Kann ich in meinem Architekturbüro Kurzarbeit einführen und was bedeutet das?

Kurzarbeit im Arbeitsverhältnis bedeutet die vorübergehende Verringerung der regelmäßigen Arbeitszeit in einem Unternehmen aufgrund eines erheblichen Arbeitsausfalls. Von der Kurzarbeit können alle oder nur ein Teil der Arbeitnehmer des Betriebes betroffen sein, wobei die betroffenen Arbeitnehmer bei Kurzarbeit weniger oder überhaupt nicht arbeiten.
Kurzarbeit ist ein Instrument sein, um bei vorübergehendem Corona-bedingten Entfall von Aufträgen Kündigungen zu vermeiden. Das Kurzarbeitergeld gleicht den Verdienstausfall der Arbeitnehmer teilweise aus. Die staatliche Leistung, die aus Mitteln der Arbeitslosenversicherung finanziert wird, deckt für die Ausfallstunden 60 % des Nettolohns ab (bei Haushalten mit Kindern 67 %). Ab dem vierten Monat des Bezugs steigt es auf 70 % des Nettolohns (77 % für Haushalte mit Kindern) und ab dem siebten Monat auf 80 % bzw. 87 %. Die erhöhten Beträge gelten längstens bis 21.12.2020. Für diese Entgeltersatzleistung ist in Deutschland die Bundesagentur für Arbeit zuständig.

Arbeitgeber, die mindestens einen Angestellten unterhalten, können Kurzarbeitergeld beantragen. Voraussetzung für den Bezug von Kurzarbeitergeld ist, dass für mindestens 10% der Belegschaft die üblichen Arbeitszeiten vorübergehend um mindestens 10% verringert sind. Die Bundesagentur für Arbeit erstattet die anfallenden Sozialversicherungsbeiträge für die ausgefallenen Arbeitsstunden vollständig. Diese Zugangsregeln wurden am 13. März 2020 verkündet und gelten rückwirkend zum 1. März 2020.

Zuschüsse der Arbeitgeber zum Kurzarbeitergeld, die den Lohnausfall ausgleichen, werden nach dem Corona-Steuerhilfegesetz vom 6.5.2020 entsprechend der Sozialversicherungsbeiträge von der Lohnsteuer befreit.

Die Kurzarbeitergeldregelungen wurden bis ins Jahr 2021 verlängert mit folgenden Maßgaben:
  • Die Bezugsdauer für das Kurzarbeitergeld wird für Betriebe, die mit der Kurzarbeit bis zum 31.12.2020 begonnen haben, auf bis zu 24 Monate verlängert, längstens bis zum 31.12.2021.
  • Die Regelung zur Erhöhung des Kurzarbeitergeldes auf 70 %/77% ab dem 4. Monat und 80 %/87 % ab dem 7. Monat wird bis zum 31.12.2021 verlängert für alle Beschäftigten, deren Anspruch auf Kurzarbeitergeld bis zum 31.3.2021 enstanden ist.
  • Die erleichterten Zugangsregeln zum Kurzarbeitergeld (kein Aufbau negativer Arbeitszeitsalden erforderlich, nur 10% der Belegschaft müssen von einem Entgeltausfall betroffen sein), gelten bis zum 31.12.2021 für alle Betriebe, die bis zum 31.3.2021 mit der Kurzarbeit begonnen haben.
  • Nach allgemeinen Regelungen hat der Arbeitgeber während des Bezugs des Kurzarbeitergeldes die Sozialversicherungsbeiträge weiter zu bezahlen. Die Sozialversicherungsbeiträge werden in der Coronakrise jedoch bis 30.6.2021 vollständig erstattet. Vom 1.7.2021 bis längstens zum 31.12.2021 werden für alle Betriebe, die bis zum 30.6.2021 Kurzarbeit eingeführt haben, die Sozialversicherungsbeiträge zu 50 % erstattet.
  • Die derzeit geltenden steuerfreien Zuschüsse des Arbeitgebers zum Kurzarbeitergeld können bis zum 31.12.2021 bezahlt werden.
  • Die bestehenden befristeten Hinzuverdienstregelungen werden insoweit bis 31.12.2021 verlängert, als dass Entgelt aus einer während der Kurzarbeit aufgenommenen geringfügig entlohnten Beschäftigung anrechnungsfrei bleibt.
Informationen zum Kurzarbeitergeld und den zu erfüllenden Voraussetzungen finden Sie hier
Ein Video der Bundesagentur für Arbeit: "So beantragen Sie Kurzarbeitergeld" finden Sie hier
Antragsformular der Bundesagentur für Arbeit auf Kurzarbeitergeld: hier  (PDF-Dokument)
 

2. Lassen sich Steuerzahlungen reduzieren oder verschieben?

Eine Möglichkeit bei Liquiditätsengpässen schnell Liquidität zu schaffen, besteht darin, mit dem Finanzamt über eine Absenkung der Steuervorauszahlung zu sprechen, eine Streckung der zu leistenden Zahlungen, die Stundung fälliger Steuerzahlungen zu vereinbaren und um den Erlass von Säumniszuschlägen und Vollstreckungsmaßnahmen bitten. Dadurch kann sofort und kostenfrei Zahlungsfähigkeit hergestellt werden.
Die Bundesländer haben eine besondere Kulanz der Finanzämter versprochen, die Absenkungen der Steuervorauszahlungen unbürokratisch handhaben und abwickeln. Stundungen könnten zum Teil sogar zinslos erfolgen; Auf Pfändungen würde vorübergehend verzichtet.
Um auch aus (umsatz-)steuerlicher Sicht die Handlungsoptionen zu kennen und die Chancen aus steuerlicher Sicht in Zeiten von Corona zu kennen, sollten Sie mit Ihrem Steuerberater folgende Themen näher beleuchten und ggf. bei ihrem zuständigen Finanzamt beantragen:

  • Einzelfristverlängerungen und Dauerfristverlängerungen
  • Herabsenkung der Vorauszahlungen auf die Einkommen- und Körperschaftsteuer sowie Umsatzsteuer
  • Stundungsanträge, Verrechnungen etc.
  • zinsfreie Stundung von Steuerzahlungen

Das am 29.6.2020 beschlossene Zweite Corona-Steuerhilfe-Gesetz bringt weitere steuerliche Erleichterungen für Architekturbüros mit sich. Dazu zählen:

  • Mehrwertsteuersenkung bis Ende 2020, auch für Handwerkerleistungen
  • Der steuerliche Verlustrücktrag wurde für die Jahre 2020 und 2021 von 1 Mio Euro auf 5 Mio Euro angehoben (Verlustabzug nach § 10d EStG). Verluste aus dem Jahr 2020 können jetzt schon geltend gemacht werden, indem ein verläufiger, pauschal berechneter Verlustrücktrag 2020 bereits für das Jahr 2019 berücksichtigt wird und die Vorauszahlungen für das Jahr 2019 durch einen Verlustrücktrag angepasst werden.
  • Ermöglichung einer degressiven Abschreibung von 25 % für bewegliche Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens, die 2020 und 2021 angeschafft werden.

Mit dem am 16.12.2020 beschlossenen Jahressteuergesetz wurde

  • für 2020 eine "Homeoffice-Pauschale" (§ 4, 5. Satz 1 Nr. 6b EStG) eingeführt. Dabei handelt es sich um eine Pauschale von 5 EUR pro Tag, begrenzt auf 600 EUR pro Jahr - also für 120 Homeoffice-Arbeitstage.
  • die Zahlungsfrist der Corona-Prämie bis 30.6.2021 verlängert. Der Steuerfreibetrag von max. 1.500 EUR bleibt jedoch unverändert.


Die Bundesarchitektenkammer sowie die Bundessteuerberaterkammer (BStBK) haben Informationsblätter mit den wichtigsten FAQ zu denThemen „Wie hilft das Finanzamt und die Zollverwaltung?“ sowie zur temporären Mehrwertsteuersenkung erstellt. 

Das Merkblatt der BAK zur temporären Mehrwertsteuersenkung bei Architektenverträgen finden Sie hier.
Hier geht´s zur Website der Bundessteuerberaterkammer.

 

3. Kann ich Überbrückungshilfen oder andere nicht rückzahlbare Zuschüsse (Corona-Hilfen, außerordentliche Wirtschaftshilfen "November-/Dezemberhilfe", Neustarthilfe für Solo-Selbständige) vom Bund erhalten?

Bund und Länder haben erkannt, dass gerade kleine und mittlere Unternehmen aus allen Wirtschaftsbereichen sowie Soloselbstständige und Angehörige der Freien Berufe, die in der Regel keine Kredite erhalten und über keine Sicherheiten oder weitere Einnahmen verfügen, besonderen Bedarf für unbürokratische Soforthilfe haben. Aus diesem Grund stehen als Bundeshilfe nicht rückzahlbare Zuschüsse für durch die Corona-Krise in Schieflage geratene Unternehmen und Freiberufler zur Verfügung.

Informieren Sie sich daher, ob Sie von diesen Corona-Hilfen profitieren können und prüfen Sie, ob Sie sich dafür qualifizieren und in welchem Zeitraum Sie einen Antrag stellen können.

Soforthilfe für kleine Unternehmen und Soloselbständige:
Der Bundesregierung hatte in der 13. Kalenderwoche eine Soforthilfe für kleine Unternehmen und Solo-Selbstständige mit bis zu zehn Beschäftigten (Vollzeitäquivalente) auf den Weg gebracht, welches bis Ende Mai 2020 beantragt werden konnte.

Überbrückungshilfen I/II/III:
Dieses Zuschussprogramm für Soloselbständige, Angehöriger Freier Berufe sowie Unternehmen, die ihren Geschäftsbetrieb im Zuge der Corona-Krise ganz oder zu wesentlichen Teilen einstellen müssen“, wurde mehrfach verlängert und auch auf größere Unternehmen ausgeweitet („Überbrückungshilfe" des Bundes für kleine und mittelständische Unternehmen). Denn die von der Bundesregierung im Oktober und Dezember 2020 beschlossenen temporären Beschränkungen verstärken, dass viele Wirtschaftsbereiche erhebliche Einschränkungen ihres Geschäftsbetriebs hinnehmen müssen.

Das BMWi hat einen Push-Nachrichtendienst eingerichtet, über den Sie regelmäßig Meldungen, Informationen zu Fristen und genaue Hinweise zu den Fundstellen auf den Webseiten erhalten.

Die nicht rückzahlbare Überbrückungshilfe soll zur Sicherheit der wirtschaftlichen Existenz einen Beitrag zu den Fixkosten leisten, genauer gesagt zu den laufenden betrieblichen Sachaufwendungen. Hierzu zählen beispielsweise gewerbliche Mieten, Pachten, Versicherungsprämien, Finanzierungskosten, Leasingraten, Kosten für Steuerberater und Anwälte, Kosten für Auszubildende, Grundsteuern, weitere feste Ausgaben, Aufwendungen für Personal, das nicht in kurzarbeit geschickt werden kann, können in Höhe einer Pauschale von 20 % der Fixkosten geltend gemacht werden. Als erstattungsfähige Kosten werden in der Überbrückungshilfe III neuerdings auch Marketing- und Werbekosten sowie 50 % der Abschreibungen von Wirtschaftsgütern anerkannt. Ein Unternehmerlohn wird nicht erstattet. Jedoch ist der Unternehmerlohn für Freischaffende in manchen Bundesländern als Zusatzelement in die Landesprogramme aufgenommen worden. Der Bund will im Nachhinein prüfen, ob die Begünstigten die Hilfen tatsächlich nötig hatten. Im Fall von Zuschüssen sollen sie dann ggf. in Darlehen umgewandelt werden.

Aktueller Hinweis: Muss ich Verluste nachweisen?

Das BMWi hatte im Dezember 2020 bekannt gegeben, dass die Überbrückungshilfe auf höchstens 90 % der ungedeckten Fixkosten beschränkt wird. Ungedeckte Fixkosten sind die Verluste, die Unternehmen für den Förderzeitraum in ihrer Gewinn- und Verlustrechnung ausweisen. Damit drohten Unternehmen und Freiberuflern Rückzahlungsforderungen, falls kein Verlust nachgewiesen werden kann.  Mittlerweile wurde aber die Option eröffnet, dass Antragsteller die „Kleinbeihilfe-Regelung“ wählen können, zu dass Zuschüsse ohne Nachweis von Verlusten bis zu 2 Mio. EUR pro Unternehmen gewährt werden können.

Die Überbrückungshilfe II umfasst die Fördermonate September bis Dezember 2020 und kann noch bis zum 31. März 2021 beantragt werden. Unternehmen, Soloselbstständige, Freiberufler, gemeinnützige Unternehmen (z.B. Jugendherbergen) und Organisationen mit Sitz oder Betriebsstätte im Inland können mit der Überbrückungshilfe II direkte Zuschüsse von max. 50.000 Euro pro Monat für max. drei Monate beantragen, gestaffelt nach dem tatsächlichen Umsatzeinbruch. Voraussetzung ist, dass die fortlaufenden Einnahmen aus dem Geschäftsbetrieb voraussichtlich nicht ausreichen, um die Verbindlichkeiten in den betreffenden drei Monaten aus dem fortlaufenden erwerbsmäßigen Sach- und Finanzaufwand zu zahlen.

2021 kommt der Überbrückungshilfe III besondere Bedeutung zu, die für die Fördermonate November 2020 bis Juni 2021 in Anspruch genommen werden kann.  Anträge können seit dem 10.1.2021 gestellt werden; erste Abschlagszahlungen erfolgen ab Februar 2021. Bei der Überbrückungshilfe III wurde die Höhe der maximalen Betriebskostenerstattung angehoben. Je nach Umsatzrückgang und Betroffenheit wird ein Anteil der fixen Kosten bis zu 200.000 EUR pro Monat für alle Unternehmen und sogar 1.500.000 Euro pro Monat für von staatlichen Schließungen betroffene Unternehmen erstattet. Voraussetzung ist, dass 500 Mio. EUR Jahresumsatz nicht überschritten werden. Höchstbetrag nach beihilferechtlichen Obergrenzen der EU sind 3 Mio. EUR je Monat bzw. 12 Mio. EUR pro Unternehmen insgesamt.

Im Jahr 2021 gilt als vereinfachte Voraussetzung, dass ein Unternehmen in einem Monat einen Umsatzeinbruch von mind. 30% gegenüber dem Referenzmonat 2019 haben muss, unabhängig davon, ob man direkt oder indirekt von den Schließungen betroffen ist oder wegen der Corona-Einschränkungen weniger Kunden kamen.

Die Überbrückungshilfe leistet anteilig eine monatliche Fixkostenerstattung für den Antragsmonat von

- 90 % der monatlichen Fixkosten bei mehr als 70 % Umsatzrückgang,
- 60 % bei Umsatzrückgang zwischen 50 % und 70 %,
- 40 % bei Umsatzrückgang von 30 - 50 %,

jedoch

- max. 50.000 EUR je Monat (Überbrückungshilfe II für die Monate September – Dezember 2020)
- max. 200.000 EUR je Monat für alle Unternehmen und Selbstständige (Überbrückungshilfe III)
- max. 1.500.000 EUR je Schließungsmonat bei von den Schließungen betroffenen Unternehmen (Überbrückungshilfe III)

Beispiel: Ein Elektromarkt hatte im Dezember 2019 einen Umsatz von 800.000 Euro. Aufgrund der staatlichen Schließungsanordnung ist der Laden seit dem 16. Dezember 2020 geschlossen. Dadurch macht er im Dezember 2020 einen deutlich geringeren Umsatz als in 2019. Im Vergleich zum Dezember 2019 ist der Umsatz um 55 Prozent auf 320.000 Euro zurückgegangen. Die Eigentümerin kann also für den Dezember 60 Prozent ihrer berücksichtigungsfähigen Fixkosten als Zuschuss erhalten – bis max. 500.000 Euro im Monat Dezember.

Über Online-Portale können die Anträge durch einen vom Antragsteller beauftragten Steuerberater, Wirtschaftsprüfer oder vereidigten Buchprüfer gestellt werden. Die Antragsplattform mit allen weiteren Informationen findet sich unter: www.ueberbrueckungshilfe-unternehmen.de.
Die Bewilligung (Antragstellung, Bearbeitung der Anträge, Auszahlung und ggfs. Rückforderung der Mittel) erfolgt durch die zuständige Landesbehörde.

"Neustarthilfe für Solo-Selbständige":
Im Rahmen der Überbrückungshilfe III gibt es eine spezielle Neustarthilfe für Solo-Selbständige, da sie meist nur geringe Fixkosten nachweisen können und wenig von der Überbrückungshilfe profitieren können. Wenn die wirtschaftliche Tätigkeit im Förderzeitraum 1. Januar bis 31. Juni 2021 Corona-bedingt eingeschränkt ist, werden Soloselbstständige mit einer einmaligen Betriebskostenpauschale („Neustarthilfe“) von max. 7.500 EUR bezuschusst. Die Neustarthilfe beträgt in der Regel 25% des Jahresumsatzes 2019 und ist gedacht für Lebenshaltungskosten, private Miete und die Krankenversicherung.
Anträge können einmalig ab dem 1.1.2021 und bis zum 31. August 2021 gestellt werden.
Voraussetzung ist, dass Soloselbstständige Umsatzeinbußen wegen der Corona-Krise von über 60% haben. Fallen die Umsatzeinbußen geringer aus, ist der Zuschuss (anteilig) zurückzuzahlen. Der einmalige Betriebskostenzuschuss wird nicht auf die Grundsicherung angerechnet. Voraussetzung ist, dass das Einkommen im Referenzzeitraum zu mindestens 51 Prozent aus selbständiger Tätigkeit erzielt wurde.
Eine Antragstellung ist möglich im Rahmen der Überbrückungshilfe. Es ist nicht möglich, neben der Neustarthilfe auch Überbrückungshilfe zu beantragen; die eine Maßnahme schließt die andere aus. Soloselbstständige können die Neustarthilfe direkt beantragen und dazu das von der Steuererklärung bekannte ELSTER-Zertifikat nutzen.
Mehr Informationen: hier

Außerordentliche Wirtschaftshilfe ("November-/ Dezemberhilfe"):
Die Bundesregierung hat die als außerordentliche Wirtschaftshilfe für Unternehmen, Betriebe, Selbständige, Vereine und Einrichtungen, die von den bundesweiten Schließungen seit dem 2.11.2020 besonders betroffen sind, die Novemberhilfe ins Leben gerufen und als Dezemberhilfe fortgeführt. Die Dezemberhilfe kann seit Mitte Dezember 2020 und bis zum 31.3.2021 beantragt werden. November- und Dezemberhilfen können noch bis zum 30.4.2021 beantragt werden. 

Antragsberechtigt für die "November-/Dezemberhilfe" sind alle Unternehmen und Selbständige, die auf der Grundlage des Beschlusses im Jahr 2020 erlassenen Schließungsverordnung den Geschäftsbetrieb einstellen mussten. Antragsberechtigt für diese anteilige Umsatzerstattung sind auch indirekt und mittelbar betroffene Unternehmen, die nachweißlich 80 % ihres Umsatzes mit direkt von den Schließungsmaßnahmen betroffenen Unternehmen erzielen.

Es werden mit der "November-/ Dezemberhilfe" Zuschüsse in Höhe von 75 % des durchschnittlichen wöchtentlichen Vergleichsumsatzes im Jahr 2019 anteilig für die Anzahl an Tagen der Schließung gewährt, bis zu einer Obergrenze von 1 Mio. Euro. Solo-Selbständige können als Vergleichsmaßstab auch den durchschnittlichen Monatsumsatz im Jahr 2019 zugrunde legen. Andere Leistungen wie Überbrückungshilfe oder Kurzarbeitergeld sowie im November erzielte Umsätze werden auf die Umsatzerstattung angerechnet.

Die Antragstellung kann seit dem 25.11.2020 über die IT-Plattform der Überbrückungshilfe (hier) durch Steuerberater und Wirtschaftsprüfer des Antragsstellers erfolgen. Solo-Selbständige, die nicht mehr als 5.000 Euro Förderung beantragen, können den Antrag selbst und ohne prüfenden Dritten stellen. Solo-Selbständige können eine Abschlagszahlung von bis zu 5.000 Euro erhalten, Unternehmen von bis zu 10.000 Euro. 

 

4. Was bietet die KfW an Fördermöglichkeiten für Selbstständige, Freiberufler und Unternehmen?

Der KfW als der Förderbank des Bundes kommt im Rahmen des Maßnahmenpakets der Bundesregierung ("Milliarden-Schutzschild") die Aufgabe zu, die kurzfristige Versorgung der Unternehmen mit Liquidität zu erleichtern. Besonders interessant dabei sind die KfW-Sonderprogramme und der KfW-Schnellkredit.

Die KfW hat im Rahmen des KfW-Sonderprogramms seit dem 23.3.2020 die Zugangsbedingungen und Konditionen von liquiditätsstärkenden Krediten für Unternehmen deutlich verbessert und für mehr Unternehmen verfügbar gemacht. Dabei beantragen Unternehmen (kleine, mittelständische und Großunternehmen) sowie Freiberufler KfW-Kredite grundsätzlich über ihre Hausbank.
Niedrigere Zinssätze und eine vereinfachte Risikoprüfung der KfW bei Krediten bis zu 10 Mio. Euro schaffen Erleichterung für Freiberufler und Unternehmen jeder Größenordnung, da sie den Zugang zu günstigen Krediten bei Banken erleichtern. Eine höhere, teilweise sogar vollständige Haftungsfreistellung durch die KfW erleichtert Banken und Sparkassen die Kreditvergabe.
Aktuelle Informationen, welche Maßnahmen die KfW derzeit konkret anbietet und wie sie beantragt werden können, finden Sie unter 
https://www.kfw.de/KfW-Konzern/Newsroom/Aktuelles/KfW-Corona-Hilfe-Unternehmen.html.

Von besonderem Interesse im KfW-Sonderprogramm, das zuletzt bis 30.6.2021 verlängert wurde, sind die folgenden KfW-Programme:

KfW-Unternehmerkredit für Unternehmen älter 5 Jahre; ERP-Gründerkredit–Universell (jünger als 5 Jahre): Sondermaßnahme "Corona-Hilfe für Unternehmen" 
Die Programme stehen für junge und etablierte Unternehmen bis zu einem Gruppenjahresumsatz von 2 Mrd. Euro (bisher 500 Mio. EUR) zur Verfügung  - bei einem Kredithöchstbetrag von je 100 Mio. EUR für Investitionen und Betriebsmittel mit bis zu zwei tilgungsfreien Anlaufjahren.
Seit dem 22.4.2020 gilt für Kredite bis 800.000 Euro eine Kreditlaufzeit von max. 10 Jahren (bislang 5 Jahre). Für Kredite über 800.000 Euro ist eine erhöhte Kreditlaufzeit von max. 6 Jahre (bislang 5 Jahre) möglich.
Zur beschleunigten Abwicklung verzichtet die KfW bei Kreditbeträgen bis zu 3 Mio. Euro auf eine eigene Risikoprüfung und übernimmt die Risikoprüfung der Hausbank. Die KfW übernimmt im Rahmen der Sondermaßnahmen bis zu 90% des Risikos der Hausbank, für größere und Unternehmen bis zu 80 % (Vor der Coronakrise lagen die Haftungsfreistellungen bei max. 50 % bzw. gar keine für Betriebsmittel.).

Zinsverbesserungen: Die Zinsen liegen zwischen 1 % und 2,12 % p. a. für kleine und mittlere Unternehmen sowie für größere Unternehmen (bislang risikogerechtes Zinssystem nach Bonitäts-Besicherungsklassen).

KfW Konsortialfinanzierung: KfW-Kredit für Wachstum, Sondermaßnahme "Corona-Hilfe für Unternehmen" 
Die KfW bietet in der Coronakrise Risikoübernahmen bis zu 70% für Vorhabensfinanzierungen an, indirekt über Risikounterbeteiligungen an einer konsortialen Finanzierungsstruktur oder direkt als Konsortialpartner. Der Finanzierungsanteil der KfW beträgt mind. 7,5 Mio. EUR und max. 100 Mio. EUR. Die bisherige Beschränkung auf Investitionen in Innovation und Digitalisierung entfällt.

KfW-Schnellkredit für Mittelständler
Damit der Mittelstand leichter an Hilfskredite kommt, hat die Bundesregierung für Mittelständler, die in der Coronakrise in Not geraten sind, den KfW-Schnellkredit ins Leben gerufen. Zentraler Punkt dabei ist, dass der Bund bzw. die KfW die Hausbanken von sämtlichen Risiken und die Banken damit von der Haftung befreit, die mit dem KfW-Darlehen verbunden sind. 

Aufgrund des dynamischen Infektionsgeschehens wurde der KfW-Schnellkredit am 28.10.2020 für Unternehmen mit weniger als 10 Beschäftigten und Soloselbständigen geöffnet und bis zum 30.6.2021 zu verlängert. 
Seitdem sind Kredite in Höhe bis zu 25 % des Jahresumsatzes 2019 möglich, und zwar bis zu 300.000 EUR für Unternehmen mit bis zu 10 Beschäftigten, bis zu  500.000 Euro für Unternehmen mit 11 bis 50 Mitarbeitern sowie bis zu 800.000 EUR für größere Betriebe mit bis zu 249 Beschäftigten. Die Laufzeit der KfW-Schnellkredite beträgt 10 Jahren bei einem Zinssatz von 3% pro Jahr und 2 tilgungsfreien Jahren. Gesonderte Sicherheiten müssen nicht gestellt werden. Möglich ist die vorzeitige Rückzahlung ohne Vorfälligkeitsentschädigung, auch in Teilbeträgen und die Kombination mit anderen Corona-Hilfsprogrammen.
Voraussetzung für den Schnellkredit ist, dass ein Unternehmen zum 31.12.2019 nicht in Schwierigkeiten gewesen ist, d. h. im Jahr 2019 oder in der Summe der Jahre 2017 bis 2019 (bzw. seit sie am Markt aktiv sind, falls der Zeitraum kürzer ist) einen Gewinn erzielt haben. Die Kreditbewilligung dann erfolgt ohne Kreditrisikoprüfung durch die Bank oder die KfW. Insbesondere wird eine Prognose zur Fortführung der Unternehmen, die für viele Betriebe nach den normalerweise üblichen Kriterien angesichts der weggebrochenen Umsätze schwierig ist, nicht benötigt.

 

5. Welche finanziellen Hilfen stellen die Bundesländer und ihre Förderbanken bereit?

Um die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie einzudämmen, haben ergänzend zum Bund alle Bundesländer ebenfalls Programme eingerichtet, um Selbständige, Freiberufler sowie kleine und mittlere Betriebe zu unterstützen, die durch die Coronakrise in eine existenzbedrohliche wirtschaftliche Lage und in Liquiditätsengpässe geraten sind. Dabei werden "unbürokratisch und schnell umsetzbare" und teils auch mehrfach Zuschüsse je nach Bundesland und Unternehmensgröße gewährt.

Voraussetzung bei allen Hilfsprogrammen der Länder ist in der Regel, dass ein Betrieb vor Ausbruch der Krise wirtschaftlich tragfähig gewesen ist und ein Zuschuss für die Sicherung der beruflichen bzw. betrieblichen Existenz in der Coronakrise erforderlich ist. Auch müssen die Hilfsprogramme des Bundes oder andere zur Verfügung stehenden Unterstützungen bzw. Sozialleistungen (z. B. Kurzarbeitergeld, Grundsicherung) zunächst in Anspruch genommen werden bzw. beantragt werden. Eine existenzbedrohliche Wirtschaftslage kann an einem erheblichen Honorarrückgang verdeutlicht und über den Vergleich zum durchschnittlichen monatlichen Umsatz vergangener Monate belegt werden.

Die Förderbanken der Bundesländer setzen die Bundesland spezifischen Förderangebot um, zu denen Überbrückungskredite, Liquiditätshilfen und nicht rückzahlbare Zuschüsse gehören. Die Zuschüsse der Bundesländer sind in der Regel bei den jeweiligen Landesförderinstituten zu beantragen.

Hinweise zu den besonderen Programmen auf Länderebene finden Sie auch bei der ARchitektenkammer in Ihrem Bundesland. Die Links zu den 16 Länderkammern finden Sie hier.

Detailshinweise und die Antragsformulare finden Sie online bei den Bundesländern und ihren Förderbanken:

Baden-Württemberg / L-Bank Baden-Württemberg:
Mecklenburg-Vorpommern / Landesförderinstitut Mecklenburg-Vorpommern:

https://www.lfi-mv.de/
https://www.lfi-mv.de/foerderungen/corona-soforthilfe

 

6. Was soll ich beachten, wenn ich meine Hausbank kontaktiere?

Bei notwendigen Überbrückungsfinanzierungen oder Liquiditätsengpässen sollte als erster Schritt zeitnah das Gespräch mit der Hausbank gesucht werden. Dass Sie das Bankgespräch gut vorbereitet führen sollen und aktuelle Bilanzen oder BWAs sowie eine Liquiditätsplanung griffbereit haben sollten, versteht sich von selbst.
Sie fragen bei Ihrer Hausbank wegen eines notwendigen Überbrückungskredits nach und verweisen auf die aktuellen Bürgschaftsangebote der Bürgschaftsbank, die diese Überbrückungskredite zu 80 % besichern sollen. Dir Hausbank ist auch diejenige, bei der Sie vergünstigte Kredite von KfW und den Landesförderbanken beantragen können bzw. müssen (Hausbankprinzip).

Eine Übersicht über die Förderkreditangebote der Bundesländer finden Sie unter:
https://bingk.de/blog/corona-foerdermassnahmen-der-bundeslaender/

Die Förderdatenbank des Bundes bietet einen Überblick über Förderprogramme des Bundes, der Länder und der EU:
https://www.foerderdatenbank.de/FDB/DE/Home/home.html

Erkundigen Sie sich über die Details zu möglichen Unterstützungsleistungen auf Länderebene auch bei der Architektenkammer in Ihrem Bundesland. Die Links zur den 16 Länderkammern finden Sie hier.

 

7. Wie helfen mir die Bürgschaftsbanken?

Kredite zur Überbrückung von Liquiditätsengpässen können durch die Bürgschaftsbank des jeweiligen Bundeslandes besichert werden und ersetzen fehlende persönliche Sicherheiten. Wenn Sie bei Ihrer Hausbank wegen eines notwendigen Überbrückungskredit nachfragen, verweisen Sie auf die aktuellen
Bürgschaftsangebote der Bürgschaftsbank, die die Überbrückungskredite zu 80 % besichern können.
Eine kostenlose Vorabanfrage für ein Finanzierungsvorhaben können Unternehmen über das Finanzierungsportal der Bürgschaftsbanken (hier) ganz unbürokratisch stellen.
Wichtig für die schnelle Beurteilung Ihrer Finanzierungsanfrage und für die Begleitung einer Überbrückungsfinanzierung ist die Vorlage eines plausiblen Liquiditätsplans, aus welchem der erforderliche Kapitalbedarf hervorgeht.
Ihre für Sie zuständige Bürgschaftsbank finden Sie unter folgendem Link:

Infolge der Corona-Krise wurde bei den Bürgschaftsbanken wird der Bürgschaftshöchstbetrag auf 2,5 Mio. Euro verdoppelt, darüber hinaus ist das Land zuständig. Die Obergrenze von 35 % Betriebsmitteln am Gesamtobligo der Bürgschaftsbanken wurde auf 50% erhöht.
Die Kreditherkunft spielt für die Bürgschaft keine Rolle, es können Kredite der KfW, Landesförderinstitute oder Hausbankkredite verbürgt werden.
Im Rahmen sog. Bürgschafts-Expressprogramme können die Bürgschaftsbanken Entscheidungen über Bürgschaften bis zu einem Betrag von 250.000 Euro eigenständig (d. h. ohne Beteiligung der Länder) und innerhalb von drei Tagen treffen. Auch bei Betriebsmittelkrediten kann der Bürgschaftsrahmen von 80 Prozent ausgeschöpft werden.

 

Weitere FAQ

 8. Gibt es finanzielle Unterstützung für Beratungskosten in der Coronakrise?
 9. Gibt es eine Entschädigung bei Verdienstausfall durch Quarantäne?
10. Kann ich als Freiberufler aufgrund geringerer Einkünfte meinen Beitrag zum Versorgungswerk der Architekten reduzieren?
11. Meine Mitarbeiter sind arbeitsunfähig: Erhalte ich als Arbeitgeber eine Kostenübernahme?
12. Lassen sich die Beiträge zur Sozialversicherung strecken oder aussetzen?
13. Inwieweit kann ich meine Gewerbemiete mindern, stunden oder aussetzen?
14. Wurde die Insolvenzantragspflicht für durch die Corona-Epidemie geschädigte Unternehmen ausgesetzt?
15. Unter welchen Umstände kann ich einen Antrag auf Grundsicherung für Selbständige nach dem SGB II stellen?
16. Gibt es Überbrückungsgeld für Eltern?
17. Wo finde ich weitere Informationen - weitere hilfreiche Links.


Ausführliche FAQ zu wirtschaftlichen Fragen (Stand 23.2.2021) finden Sie hier (PDF-Dokument, 953.1 KB).

 
 

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