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Staatliche Maßnahmen stabilisieren Baunachfrage Die Bauinvestitionen haben nach drei Jahren mit Zuwächsen zuletzt ebenfalls deutlich nachgegeben. Insbesondere im Wirtschaftsbau waren zum Jahresende die Folgen der Rezession deutlich zu spüren. Die Nachfrage nach Wohnbauten hatte sich dagegen nach einer zwei Jahre währenden Schwäche am aktuellen Rand nahezu stabilisiert. Der Rückgang im Neubau war zum Stillstand gekommen, und die Modernisierung des Wohnungsbestandes hatte vor allem durch die Förderung der CO2-Gebäudesanierung Impulse erhalten. Die Auftragseingänge des Bauhauptgewerbes signalisieren allerdings einen Rückschlag in den kommenden Quartalen. Dazu dürfte vor allem die wachsende Verunsicherung der privaten Haushalte beigetragen haben. Die realen verfügbaren Einkommen werden voraussichtlich stagnieren, insbesondere aber hat das Arbeitsplatzrisiko erheblich zugenommen. Anregungen kommen allerdings aus der Förderung der energetischen Sanierung der Wohnbauten, die die Bundesregierung im Konjunkturpaket I ausgeweitet hat. Zusätzliche Impulse könnte der Wohnungsbau erhalten, wenn die privaten Haushalte den Erwerb einer eigenen Immobilie verstärkt als Altersvorsorge („Wohn-Riester“) nutzen. Dabei dürften die niedrigen Hypothekenzinsen stimulierend wirken. Allerdings könnte das höhere Arbeitsplatzrisiko zu einer restriktiveren Kreditvergabe führen. Insgesamt werden die Wohnungsbauinvestitionen im laufenden Jahr um 3,0 % zurückgehen und im nächsten Jahr um 1,4 % zulegen. Der Wirtschaftsbau, der in den zurückliegenden drei Jahren vom gesamtwirtschaftlichen Aufschwung kräftig mitgezogen wurde, ist nun von der Krise besonders stark betroffen. Geplante Projekte werden angesichts der konjunkturellen Risiken nochmals auf den Prüfstand gestellt, eventuell verschoben oder sogar gestrichen. Dämpfend wirken zudem die ungünstigen Finanzierungsbedingungen. Hinzu kommt, dass das Misstrauen zwischen den Banken groß bleiben dürfte, was die Finanzierung von Großprojekten erschwert, die eine Zusammenarbeit mehrerer Banken erfordert. Vor diesem Hintergrund dürfte der Wirtschaftsbau die meiste Zeit des Prognosezeitraums rückläufig sein. Erst gegen Ende des kommenden Jahres wird er mit dem leichten Anstieg der Ausrüstungsinvestitionen wieder zulegen, der Auftrieb dürfte aber auch dann schwach bleiben. Die gewerblichen Bauinvestitionen sinken in diesem Jahr um 10 % und im kommenden Jahr um etwa 3 %. Die öffentlichen Bauinvestitionen werden im Prognosezeitraum kräftig zulegen. So sieht das Konjunkturpaket I für die Jahre 2009 und 2010 jeweils 1 Mrd. Euro für zusätzliche Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur vor. Im Rahmen des Konjunkturpakets II sollen sogar 17,3 Mrd. Euro verausgabt werden, davon 4 Mrd. Euro vom Bund und 13,3 Mrd. Euro von Länder und Kommunen. Dabei dürfte es sich in der Abgrenzung der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen nicht ausschließlich um Bauinvestitionen handeln, sondern teilweise um Ausrüstungsgüter und nicht werterhöhende Instandhaltungen. Die Institute erwarten, dass in diesem Jahr Bauinvestitionen von 3,5 Mrd. Euro und im kommenden von 12 Mrd. Euro angestoßen werden. Die zusätzlichen Bundesausgaben sind vor allem für den Ausbau und die Erneuerung von Bundesverkehrswegen und Hochbauten vorgesehen. Die Länder und die Kommunen werden in die Lage versetzt, ihre Infrastruktur zu modernisieren und die Sanierung von Kindertagesstätten, Schulen und Hochschulen voranzutreiben. Allerdings sind, da viele der Maßnahmen sich auf wenige Branchen des Ausbaugewerbes konzentrieren, Preissteigerungen in einigen Bereichen wahrscheinlich, die die realen Wirkungen der Investitionsprogramme verringern. Außerdem verschlechtert sich die Finanzlage der Gemeinden aufgrund der Senkung der Einkommensteuer und der rezessionsbedingten Steuerausfälle, was deren Spielraum für Investitionen deutlich einengt. Obwohl die Mittel bereits zur Verfügung stehen, dürfte sich der Abruf wegen des Planungsvorlaufs verzögern, und zudem dürfen Mittelabruf und Bautätigkeit keineswegs gleichgesetzt werden. Alles in allem rechnen die Institute damit, dass die Konjunkturpakete schwerpunktmäßig erst im zweiten Halbjahr 2009 und zu Beginn des kommenden Jahres Wirkung zeigen. In der zweiten Hälfte von 2010 macht sich dann die angespannte Finanzlage der Kommunen zunehmend bemerkbar. Die öffentlichen Bauinvestitionen steigen voraussichtlich um rund 8 % in diesem und 16 % im kommenden Jahr. Die kräftig erhöhten Ausgaben des Staates für Bauten werden die Investitionsrückgänge bei den privaten Haushalten und Unternehmen im Durchschnitt dieses Jahr aber nur zum Teil ausgleichen. Die Bauinvestitionen insgesamt sinken im Jahr 2009 um knapp 4 %. Im nächsten Jahr werden sie um etwa 2 % steigen. Aus: Im Sog der Weltrezession - Gemeinschaftsdiagnose Frühjahr 2009
Projektgruppe Gemeinschaftsdiagnose, Dienstleistungsauftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie
Der Projektgruppe Gemeinschaftsdiagnose gehören an:
- ifo Institut für Wirtschaftsforschung an der Universität München, www.ifo.de in Kooperation mit: KOF Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich, www.kof.ethz.ch
- Institut für Weltwirtschaft an der Universität Kiel, www.ifw-kiel.de
- Institut für Wirtschaftsforschung Halle, www.iwh-halle.dein Kooperation mit: Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung in der Hans-Böckler-Stiftung, www.imk-boeckler.de
- Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung, www.wifo.ac.at
- Rheinisch-Westfälisches Institut für Wirtschaftsforschung, www.rwi-essen.de bei der Mittelfristprognose in Kooperation mit: Institut für Höhere Studien Wien, www.ihs.ac.at
Abgeschlossen in München am 21. April 2009.
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Den vollständigen Text der Gemeinschafts-diagnose erhalten Sie unter Infomaterial am Ende der Seite.
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