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BAK-Positionspapier für ein Deutsches Ressourceneffizienzprogramm (ProgRess)
Bundesarchitektenkammer e.V. 20.05.2011

Stellungnahme der Bundesarchitektenkammer zum Entwurf für ein Deutsches Ressourceneffizienzprogramm (ProgRess) des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) Entwurf V 2.1 Stand 07.04.2011

Die Bundesarchitektenkammer (BAK) unterstützt bereits seit längerem unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit die Bestrebungen, Ressourceneffizienz in Deutschland im Sinne der Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung zu erhöhen. Aktivitäten, Maßgaben und Instrumente zur Förderung von Ressourceneffizienz sind im Bauwesen vielfältig vorhanden. So gehören neben der Verwendung von z.B. zertifizierten Baustoffen und -produkten, die Anpassung an die demographische Entwicklung, das Entgegenwirken von Zersiedelung und Flächenverbrauch durch Konzentration auf das Bauen im Bestand, sowie die Umsetzung von Energieeffizienz im Neubau und Bestand zu den gängigen Planungsparametern . Es gilt, eine lebenswerte Umwelt für Menschen zu schaffen und die besondere Qualität der Städte erlebbar zu machen.

ProgRess greift einen Teilbereich heraus, der sich sinnvoller Weise auf die Ressourceneffizienz abiotischer Baustoffe bezieht. Der vorliegende Entwurf von ProgRess des BMU zählt zahlreiche Maßnahmen, die auch die Bereiche Fläche, Luft und Wasser berühren, auf. Da bereits seit vielen Jahren zahlreiche Initiativen und Maßnahmen zur Nachhaltigkeit und Ressourceneffizienz im Bauwesen existieren, sollten sich überschneidende Handlungsfelder vermieden werden und das ProgRess entsprechend auf Vorschläge bezüglich Stoff- und Materialströme abiotischer Baustoffe beschränkt werden. Schnittstellen zu anderen Bereichen sollten identifiziert, jedoch in ProgRess nicht behandelt werden.  

Im Einzelnen ist anzumerken:

  • Es ist auf die Ausgewogenheit zwischen den Anforderungen der Ressourceneffizienz und den wirtschaftlichen und sozialen Anforderungen zu achten. Gerade beim Bauen sind auch die „weichen Faktoren“ im Sinne von Baukultur und Gestaltungsqualität zu berücksichtigen. Beim Grundbedürfnis „wohnen“ kann die Ressourceneffizienz nicht alleiniges Umsetzungskriterium sein.

  • Viele der in ProgRess aufgeführten Vorschläge sind bereits Realität in Bauordnungs- und Bauplanungsrecht sowie in technischen Regeln, beispielsweise zur Kreislaufwirtschaft, dem Ökodesign, der Vermeidung von Flächenverbrauch, den Bewertungssystemen für Nachhaltiges Bauen. Das BMVBS hat einen „Runder Tisch Nachhaltiges Bauen“ eingerichtet, der Leitfaden für Nachhaltiges Bauen ist gerade aktualisiert und veröffentlicht worden (siehe auch Seite 38). Eine gesonderte Zertifizierung von Ressourceneffizienz ist insoweit nicht erforderlich.

  • Bei der Betrachtung der Massenströme im Bauwesen – z.B. beim Flächenverbrauch, Energieverbrauch, den Baustoffen und dem Abfall – ist zwischen den Bereichen Infrastruktur und Gebäude zu unterscheiden, um zu realistischen und belastbaren Aussagen der Ressourcenbelastung bzw. Recyclingpotentiale zu gelangen.

  • Um die Ressourceneffizienz realistisch messbar zu machen, sollte der Indikator zur Ressourcenproduktivität in der Art weiterentwickelt werden, dass beispielsweise bei Rohstoffen nicht nur der Eingang von abiotischen Baumaterialien in den Prozess, sondern auch die Wiederverwertung und die mögliche Rückgewinnung berücksichtigt wird. Dazu könnte ergänzend zur im Energiekonzept der Bundesregierung vom 28. September 2010 erwähnten Abrissprämie für den „Ersatz-Neubau“ untersucht werden, inwieweit sich daraus weitere Potentiale zur Wiederverwendung potentieller Sekundärrohstoffe ergeben.

  • Bauwerke sind in der Regel für eine langfristige Nutzungsdauer konzipiert. Dies legt nahe, auch die Langlebigkeit von Baustoffen- und Bauelementen zu fördern, aus denen sie bestehen. Entsprechend sollte bei Bauprodukten hinsichtlich der Ressourceneffizienz auf die Dauerhaftigkeit sowie anschließende Demontierbarkeit und Recyclingfähigkeit geachtet werden, die Entwicklung entsprechender Technologien ist zu fördern.

  • Um Zielkonflikte zu vermeiden, sind die Besonderheiten des Bauens zu beachten: So sind Bauteile, die durch ihre Schlankheit Materialersparnis mitbringen, zunächst einmal ressourceneffizient und werden wegen ihrer Flächenersparnis (mehr verfügbare Wohn- / Nutzfläche bei gleicher Grundfläche) im Gebäudebereich regelmäßig genutzt. Jedoch ist der Einsatz des Bauteils/ Baustoffs auch immer auf andere Anforderungen hin zu prüfen. Aus Gründen des Schall-, Brand- und Wärmeschutzes sind Bauteile häufig in ihrer Masse wieder zu erhöhen.

  • Aber auch zwischen Energieeffizienz, Ressourceneffizienz und Recyclingfähigkeit sind Zielkonflikte feststellbar. Dies wird z.B. bei den üblichen Wärmedämmmaterialien auf Erdölbasis oder mineralischer Basis deutlich. Zunehmende energetische Anforderungen bedingen zunehmende Dämmstoffstärken. Gerade bei Sanierungsvorhaben werden die Systeme im Werkstoffverbund eingesetzt, was die Wiederverwendung erschwert und zudem aktuell zu einer Debatte über den Erhalt des Bildes unserer Städte führt.

  • Die im Beispielfeld 3 Nachhaltiges Bauen und Wohnen von ProgRess erwähnte „Wiederverwendbarkeit von Bauelementen“ ist kritisch zu hinterfragen. Es ist zu erwarten, dass die derzeit erforderlichen, hohen energetischen Anforderungen von alten, ehemals verbauten Bauteilen nicht erfüllt werden können. Dazu kommt die jeweils erforderliche sicherheitstechnische Prüfung der Bauelemente auf ihre Eignung und die Einbindung in die Planungen, was zur erheblichen Verteuerung des Bauprozesses führen kann.

  • Durch Information und Aufklärung ist das Bewusstsein bei Bauherren und Investoren über Möglichkeiten und Umsetzung von Ressourceneffizienz zu fördern und die Akzeptanz dafür zu erhöhen. Durch Planungswettbewerbe und Forschungsprojekte, die als „best-practice“ auch Alltagstauglichkeit zum Ziel haben sollten, ist das Wissen zu erweitern, um bei Nutzern und Anwendern gleichermaßen die Nachfrage und Umsetzung zu erhöhen. Dabei ist ein Langzeit-Monitoring der Ergebnisse durch Forschungsprojekte unerlässlich.


Die Berufsaufgabe der Architekten, Innen- und Landschaftsarchitekten und Stadtplaner ist gemäß Musterarchitektengesetz die „gestaltende, baukünstlerische, technische, ökologische, soziale und wirtschaftliche Planung von Bauwerken, Siedlungen und Städten“ – somit ist der Berufsstand den Aspekten der Nachhaltigkeit seit jeher verpflichtet. Seit vielen Jahren sind Architektur- bzw. Planungswettbewerbe ein bewährtes und verbreitetes Instrument, um für anstehende Bauaufgaben im Bereich der Architektur oder Stadtplanung optimale Lösungen zu finden, die den komplexen Anforderungen gerecht werden.

Resümee:

Zum Entwurf ProgRess des BMU empfiehlt die Bundesarchitektenkammer eine Reduktion der Inhalte und Ziele der Ressourceneffizienz auf abiotische Baustoffe. Bei Vorschlägen zur Umsetzung sollten die Akteure rechtzeitig eingebunden und auf ökologisch, ökonomisch und sozial verträgliche Lösungen gesetzt werden. Bereits jetzt gibt es umfangreiche Auflagen und Verordnungen für Bauherren und Architekten zum nachhaltigen Bauen, die angesichtet von zurückgehenden staatlichen Fördermaßnahmen die Investitionsbereitschaft lähmen.

Regulierende Maßnahmen sind zu vermeiden. Der Schwerpunkt von ProgRess sollte auf Informationsstrategien und –kampagnen sowie die weitere Förderung und Identifizierung von Ideen zur Ressourceneffizienz durch Wettbewerbe und über „best-practice“-Beispiele sowie Baustoff-Forschung liegen.

 
aufgestellt: 20.05.2011
Bundesarchitektenkammer

Das BAK-Positionspapier können Sie im  Infomaterial unten als pdf-Dokument runterladen.
BAK-Positionspapier ProgRess 20.05.11 Endf.pdfPDF (37Kb)DruckenDruckversion nach oben