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Rede zur Tagung "Architektur macht Schule" von Professor Arno Sighart Schmid am 3. Mai 2010
03.05.2010
Sehr geehrte Damen und Herren, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, sehr geehrte Baukultur-Engagierte,

ich darf Sie herzlich zu unserer Tagung „Architektur macht Schule“ hier im Collegium Hungaricum begrüßen. Wir freuen uns sehr, dass Sie so zahlreich unserer Einladung gefolgt sind. Offensichtlich besteht ein großes Interesse an den Themen unserer heutigen Veranstaltung, denn es kommt nicht oft vor, dass wir die Anmeldelisten schon Tage vorher schließen müssen, weil die Nachfrage größer ist als die vorhandenen Sitze in diesem Saal.

Wenn ich in die Runde schaue, dann kann ich sehen, dass uns Eines bereits jetzt erfolgreich gelungen ist: Teilnehmer aus den verschiedenen Akteursfeldern rund um das Thema „Architektur macht Schule“ zu gewinnen und hier zusammenzubringen. So gehören Schulleiter und Lehrerinnen, Planerinnen und Architekten, Vertreter kommunaler Verwaltungen zu unseren Gästen ebenso wie viele Multiplikatoren – das sind die Vertreter der Ministerien, der verschiedenen Berufsvertretungen, aus Lehrerfortbildungsinstituten, aber auch – und das freut uns besonders, dass ein Volksvertreter, der Bundestagsabgeordnete Hans Michelbach von der CDU/CSU-Fraktion, heute bei uns ist.

Das uns das gelungen ist, ist das Ergebnis einer guten Zusammenarbeit: Die heutige Tagung ist von der Bundesarchitektenkammer gemeinsam mit der GEW, der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, und dem Deutschen Städtetag organisiert worden. Ich begrüße herzlich Frau Marianne Demmer, stellvertretende Bundesvorsitzende der GEW. Herr Klaus Hebborn, Beigeordneter des Deutschen Städtetages, wird erst in der Mittagspause zu uns stoßen. Frau Demmer und Herr Hebborn werden für uns heute Nachmittag das Resümee aus der Veranstaltung ziehen.

Neben Frau Demmer und Herrn Hebborn hat Carl Schagemann, freischaffender Architekt in Brandenburg und Vertreter der dortigen Architektenkammer, das Vorbereitungsteam der Bundesarchitektenkammer unterstützt. Auch Ihnen ein herzliches Willkommen.

Finanziell unterstützt wird die heutige Veranstaltung vom Bildungs- und Förderungswerk der GEW. All unseren Partnern und Unterstützern gilt unser besonderer Dank!

Die heutige Fachtagung ist der Beitrag der Bundesarchitektenkammer zur Netzwerkkampagne BauTraum.

Die Netzwerkkampagne bauTraum, die der Förderverein Bundesstiftung Baukultur e.V. in Zusammenarbeit mit der Bundesarchitektenkammer und der Deutschen Stiftung Denkmalschutz auf Initiative der Bundesstiftung Baukultur für das zweite Schulhalbjahr 2009/2010 gestartet hat, soll dem Thema Baukultur und Schule bundesweit eine hohe öffentliche und politische Aufmerksamkeit verschaffen. Ich denke wir leisten heute dazu gemeinsam hier einen guten Beitrag.

Ich freue mich, dass Vertreter der Netzwerkpartner, also vom Förderverein, von der Bundesstiftung und von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz gekommen sind, herzlich Willkommen.

Das Anliegen der Netzwerkkampagne ist, dass

  • der Sensibilisierung und Bildung auf dem Feld der Baukultur ein fester Platz in den Schulen bzw. in der Schulbildung eingeräumt wird und
  • baukulturelle Aspekte im eigenen Lebensumfeld der Kinder und Jugendlichen wie auch im gesellschaftlichen Kontext stärker wahrnehmbar und erlebbar sowie
  • das baukulturelle Umfeld von Kindern und Jugendlichen verbessert werden.

Das Netzwerk ist vor allem auch eine Internetplattform. Unter www.baut-raum.de finden Sie inzwischen eine Vielzahl von Projekten, Projektideen und potentiellen Kooperationspartnern, aber auch Informationen, Literaturhinweise und Anregungen, wie man Kinder und Jugendliche für die aktive Gestaltung lebenswerter Räume begeistern kann. Falls Sie es noch nicht getan haben, tragen Sie sich mit Ihren Projekten und Ideen auf dieser Plattform ein und werden Teil der Netzwerkfamilie.

Meine Damen und Herren,

die Architektenkammern der einzelnen Bundesländer und auch die Bundesarchitektenkammer befassen sich schon seit vielen Jahren mit dem Thema „Architektur macht Schule“. Im Jahr 2002 fand in Berlin die erste große Veranstaltung der BAK dazu statt. Dabei geht und ging es uns noch nie darum, an den Schulen „kleine Architekten“ auszubilden oder gar ein eigenes Unterrichtsfach Architektur in den Schulen zu etablieren. Wir wollen Kinder frühzeitig an die Themen der Baukultur heranführen, dass sie zu mündigen Bauherren von morgen heranwachsen, die in der Lage sind ihre Verantwortung für die gestaltete Umwelt wahrzunehmen, die zugleich starker Ausdruck kultureller Identität ist. Dazu müssen Sie seh-, sprech- und entscheidungsfähig sein.

Uns geht es darum, bei den Kinder und Jugendlichen Raumverständnis zu wecken, ihnen die Vielfalt der Gestaltungsmöglichkeiten aufzuzeigen und die bewusste Wahrnehmung, den Umgang und die Wirkung von Architektur erfahrbar zu machen. Wir glauben Baukulturvermittlung passt daher in jedes Schulfach – ob Mathematik, Literatur oder Kunstunterricht.

Das ist dann auch der erste Themenschwerpunkt des heutigen Tages: Architektur im Unterricht – wie können wir Baukultur als umfassenden Lebenszusammenhang fächerübergreifend vermitteln. Dazu stellt die Wüstenrot-Stiftung ihr Projekt „Curriculare Bausteine für den Unterricht“ vor; wir lernen das Vorhaben der Brandenburgischen Architektenkammer kennen, wie sie die Baukultur noch stärker im Unterricht verankern wollen. Die Potsdamer Kollegen haben dabei auch das Problem der bisweilen mühevollen Kommunikation zwischen Architekten und Lehrern ins Blickfeld genommen. Offensichtlich sprechen wir nicht eine Sprache und müssen sich die Architekten und Planer vielmehr noch ihrem Problem „Fachchinesisch“ stellen. Was Lehrer bzw. Lehramtsstudenten von Architekten in puncto Baukulturvermittlung lernen können, zeigt das Beispiel der Bauhaus-Universität Weimar.

Am Nachmittag werden wir uns dem Schulbau als besonderer Herausforderung widmen. Längst sind sich Erziehungswissenschaftler wie Lehrer mit der Bauforschung darüber einig, dass Schularchitektur messbare körperliche Auswirkungen hat: positiv erlebte Bauten fördern Lern- und Sozialverhalten und umgekehrt. Aber wie sieht die gebaute Realität des Schulalltags aus? Was ist von den modernen „Tempeln des Lernens“ oder Wohlfühlorten der Bildung zusehen? Warum sind gelungene, also auch von seinen Nutzern akzeptierte Schulbauten noch immer nicht Standard? Wo liegen die Hürden einer erfolgreichen Schulsanierung? Ist ein Schulbau aufwendiger als andere Bauprojekte?

Unter der Überschrift „Der Raum als dritter Pädagoge: Schulbauplanung im Aktionsdreieck Schule-Verwaltung-Architekt“ gehen wir der Frage nach, was die Voraussetzungen dafür sind, dass diese drei Akteursgruppen erfolgreich zusammenarbeiten. Aber auch: Was verhindert eine erfolgreiche Zusammenarbeit – selbst bei auf allen Seiten vorhandenem guten Willen? Wir lernen verschiedene Formate, Instrumente und Projekte kennen, wie man im Vorfeld von Schulsanierungen, -umbauten oder auch Schulneubauten alle am Bau Beteiligten einschließlich der Nutzer – der Schüler und Lehrer – in den Prozess der Schulgestaltung nutzbringend einbezieht.

Ohne der Runde am Nachmittag vorgreifen zu wollen: Gerade bei den Schulbauten zeigt sich aus Sicht der Bundesarchitektenkammer ein Aufgabenfeld für den Berufsstand, das sicherlich nicht neu, aber mit Sicherheit enorm an Bedeutung gewonnen hat und noch gewinnt – die Rolle des Mediators, des Vermittlers bei Planungs- und Bauvorhaben. Die Frage ist, wie diese Rolle in Zukunft ausgefüllt werden kann.

Und damit schließt sich wieder der Kreis zur Bildung: Auch Architekten werden immer Lernende sein. Daher haben sie sich mit ihrer Kammermitgliedschaft zur regelmäßigen Fortbildung verpflichtet und die Kammern werden in Zukunft diesem sich weiterentwickelndem Aufgabenfeld hier mit Seminarangeboten noch stärker Rechnung tragen müssen.

Meine Damen und Herren,
lassen Sie mich an dieser Stelle noch kurz auf unseren Veranstaltungsort kommen. Uns war es wichtig, nicht nur über den Wert von gut gestalteten Räumen zu reden, sondern diesen Anspruch auch zu leben. Mit dem Collegium Hungaricum haben wir, glaube ich, eine gute Wahl getroffen.

Mit dem Neubau des Ungarischen Kulturinstituts hier in der Dorotheenstraße 12, in unmittelbarer Nachbarschaft zur Humboldt-Universität und dem Maxim Gorki Theater ist das Collegium Hungaricum Berlin an seinen historischen Standort zurück gekehrt. Dem Architekten Prof. Peter P. Schweger und seinem Büro ist hier ein gutes Beispiel gelungen, wie man mit unterschiedlichen Mitteln auf die klassizistisch geprägte Umgebung reagiert. Die Architektur des Gebäudes bezieht sich insbesondere auf die klassische Moderne und die damaligen Verbindungen zwischen Ungar und Bauhaus Deutschland durch Laszlo Moholy-Nagy und Marcel Breuer.

Wir sind im sogenannten Panoramasaal, der seinen Namen durch die 40 Quadratmeter große Fensterfront in Richtung Unter den Linden verdient hat. Ich hoffe und wünsche mir, dass die lichte freundliche Atmosphäre dieses Raumes sich auf den Konferenzverlauf positiv auswirkt.

Und schließlich möchte ich Ihren Blick noch auf die internationale Bühne lenken: Des Themas „Architektur macht Schule“ nehmen sich nicht nur deutsche Architekten und Pädagogen an. Auch die UIA, der Weltverband der Architekten, hat sich schon seit langem damit befasst. Das UIA-Arbeitsprogramm Architecture & Children gehört zu den aktivsten Arbeitsprogrammen der UIA, es richtet sich auf die Architekturerziehung von Kindern (Built Environment Education) in Schulen, Kindergärten, Museen, etc. Ziel ist auch hier, ein allgemeines Verständnis für Architektur zu entwickeln, Erfahrungen zwischen Architekten, Lehrern und anderen Beteiligten auszutauschen, entsprechende Aktionen zu initiieren und hervorragende Lehrmaterialien, -strategien und -methoden zu verbreiten. Seit Februar 2007 ist Dr. Hannes Hubrich (Vizepräsident AK Thüringen), den wir heute auch als Referenten hier begrüßen dürfen, einer der beiden Co-Direktoren dieses weltweiten Arbeitsprogramms.

Auf dem nächsten UIA Weltkongress im September 2011 in Tokio wird erstmals in diesem Arbeitsprogramm ein Preis verliehen: Die „UIA Architecture & Children Golden Cubes Awards“ werden in drei Kategorien vergeben:

- Schulen (Direktoren, Lehrer, Schüler)

- Institutionen (Organisationen, Vereine, Stiftungen, Museen)

- Medien (geteilt in Print- und audio-visuelle Medien)

Die Bundesarchitektenkammer als deutsche Mitgliedssektion in der UIA organisiert die nationale Auswahl in Deutschland. Wir würden uns über sehr freuen, wenn sich viele gute Projekte dafür bewerben.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Tag, viele neue Ideen und Anregungen für Ihre Arbeit, fruchtbare Diskussionen darüber, wie wir weiter gemeinsam an den Themen arbeiten, und viel interessante Gespräche in den Pausen – denn auch dafür sind Tagungen wie diese da.

 

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