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10. Architekturquartett: Architektur für die Kunst: eine Tankstelle, ein Bunker, ein Monolith
Bundesarchitektenkammer e.V. 15.10.2008

Die Entwicklung der Architektur, als älteste der bildenden Künste, steht in engem Zusammenhang mit der Sesshaftwerdung der Völker. Sie ist ein Spiegelbild der jeweiligen Kultur. – Auszug aus Meyers Lexikon.

Mit drei aktuellen Berliner Bauwerken für die Kunst setzten sich die vier Diskutanten des 10. Architektur-Quartetts der Bundesarchitektenkammer, diesmal am 12. September im Haus der Kulturen der Welt, auseinander. Um präziser zu werden: der Disput wurde geführt über eine Tankstelle, einen Bunker und einen Monolithen.

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(Foto: Erik Jan Ouwerkerk)

Es diskutierten: Ulrike Plewnia, Redakteurin beim Focus Magazin, Berlin, Gerwin Zohlen, Architekturkritiker und Publizist, Berlin, Wilfried Dechau, Architekturkritiker und Fotograf, Stuttgart, und als interessierter Laie Erika Hoffmann, Kunstliebhaberin, Berlin.

Die Diskussionsobjekte wurden dem Publikum vorweg von Dr. Christian Welzbacher in Wort und Bild vorgestellt.

Wo ehemals Unkraut eine längst verlassene Shell-Tankstelle überwucherte, präsentiert sich jetzt in den Räumen des wiederhergestellten Kleinods aus den 50er Jahren die Galerie Judin, und damit das erste Objekt des Disputs. Der Bauherr, Juerg Judin, ließ die originalgetreue Sanierung der Tankstelle und die Ergänzung um einen schlanken Anbau von den Architekten Michael Schultz, Stefan Flachsbarth und Kai Bröer (Planungsbüros „bfs d“) sowie Thomas Brakel realisieren. Das Resultat gab den Kritikern im Grunde wenig Anlass zur Uneinigkeit: Auch ohne die Auflagen eines Denkmalschutzes wurden die alten Kacheln zusammengetragen und die Eckverglasung durch die typische abgerundeten Fensterscheiben der 50er Jahre realisiert. Strittig beäugten die Kritiker vielmehr die nun die Tankstelle umgebende zwei Meter hohe Mauer, mit der sich der Bauherr zur viel befahrenen und lauten Bülowstrasse abzugrenzen sucht. Das öffentlichste aller öffentlichen Bauwerke dürfe sich nicht nach außen abgrenzen – ohne die Möglichkeit einer Abgrenzung wäre dieses nicht nutzbar und niemand hätte sich der Sanierung angenommen, so die beiden Stimmen. Betört waren beide Parteien von dem durch die Mauer eingeschlossenen beinahe asiatisch anmutenden Garten, der in dieser hektisch lauten Umgebung wie eine wunderschöne Fata Morgana wirkt.

Das zweite Objekt ist zweifelsohne robusterer Natur: Dem ehemaligen Luftschutzbunker der Berliner Reichsbahn in Berlin Mitte führte der Kunstsammler Christian Boros eine neue Nutzung zu. Aus den labyrinthhaft angeordneten 120 klaustrophobischen Räumen mit einer Deckenhöhe von nur 2,30 Metern schufen die Architekten Jens Casper, Petra Petersson und Andrew Strickland ein verblüffendes Raumgebilde mit bis zu dreizehn Meter hohen Ausstellungsräumen. Von der inneren Umwandlung zeugt nach außen einzig allein das Penthouse, welches Christian Boros auf dem Dach des Bunkers errichten lies. Ungeachtet ihrer Begeisterung um die Auflösung im Inneren waren die Kritiker bei der Frage nach der Art der Nutzung geteilter Meinung. Ein Ort der Erinnerung zu sein und nach und nach dem Verfall sich hingebend hätte dem Bollwerk besser angestanden, so der kleinere Teil. Begeistert von der Hartnäckigkeit des Bauherrn, der meterdicken Stahlbetonwänden trotzte und die Stadtmitte von einer nur schwer nutzbaren Ruine befreite, lautete das mehrheitliche Urteil.

Nur sieben Fußminuten entfernt ließen Céline und Heiner Bastian gegenüber der Museumsinsel ein neues Eckhaus von David Chipperfield und seinem Berliner Mitarbeiter Alexander Schwarz, die Galerie Am Kupfergraben 10, errichten – das dritte zur Diskussion stehende Bauwerk. Angrenzend an erhaltene Altbauten haben die Architekten hier ganz bewusst ein modernes und zeitgemäßes Bauwerk errichtet, das sich nicht von den angrenzenden Altbauten abhebt, sich vielmehr mit einer außergewöhnlichen Klarheit einfügt. Und so fiel auch das Urteil der Diskutanten einhellig aus: Céline und Heiner Bastian sind ihrer Verantwortung um die Bebauung dieses Grundstücks nachgekommen. Der bewusste Verzicht auf eine Vielgeschossigkeit hat es ermöglicht, die Struktur der angrenzenden Bebauung aufzunehmen und zugleich einen zeitgenössischen und anmutigen Monolith der Museumsinsel gegenüber zu setzen.

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(Foto: Erik Jan Ouwerkerk)

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