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Alter ist nicht gleich Alter. Und Wohnen im Alter ist so vielfältig wie das Alter selbst. Bei aller Differenzierung von Lebenslagen und Wohnbedürfnissen steht eins aber fest: Wohnen im Alter ist eine riesige Herausforderung an den Altbestand. Angesichts des demografischen Wandels lag also nichts näher also das Thema der ersten gemeinsamen Veranstaltung von Bundesarchitektenkammer und Vereinigung der Landesdenkmalpfleger am 30. Oktober in Berlin: „Alte Bauten in einer alternden Gesellschaft“.
Alt ist nicht behindert Gleich zu Beginn räumte Armin Hentschel, Direktor des Instituts für Soziale Stadtentwicklung in Potsdam, mit einer Reihe beliebter Vorurteile auf. Altengerecht dürfe zum Beispiel nicht mit barrierefrei gleichgesetzt werden. Zwar müssten Wohnungen für eingeschränkte Mobilität taugen, aber Alter heiße nicht zwangsläufig Behinderung. Genauso gut bedeute alleine Wohnen nicht alleine Sein. Im Gegenteil: Die persönliche Zeit und damit auch der Freiraum für Austausch und Begegnung nehme gegenwärtig im Alter zu. Auch die Vorstellung, dass die Alten durch ihre Zuwanderung die Städte retten, lasse sich empirisch nicht belegen. Wohnen im Alter sei hochgradig paradox: Einerseits entsprächen viele Wohnungen nicht den objektiven Bedürfnissen an altengerechtes Wohnen. Andererseits steige mit zunehmenden Alter die subjektive Wohnzufriedenheit, einfach weil die Neigung wachse, sich mit dem Vorhandenen zu arrangieren. Auf in die Mitte Auch Hildegard Schröteler-von Brandt, Professorin für Stadtplanung und Planungsgeschichte an der Universität Siegen, mahnte eine Korrektur des Altenbildes an: „Die Differenzierung des Alters hat ganz unterschiedliche Wohnbedürfnisse zur Folge“. Altengerechtes Wohnen sei vor allem eine Frage der Bestandspolitik. Die solle sich aber nicht an Barrierefreiheit, sondern an Barrierearmut orientieren. Neben selbstständigem Wohnen biete der Altbestand hervorragende Möglichkeiten für dezentrale Wohngruppen, eine sinnvolle Alternative zum Neubau von Seniorenheimen. Schröteler-von Brandt rief dazu auf, dem Ausbluten kulturhistorisch bedeutsamer Ortskerne energisch entgegen zu wirken. Als Positivbeispiel nannte sie die hessische Verbandsgemeinde Wallmerod, der es mit dem Aktions- und Förderplan „Leben im Dorf – Leben mittendrin“ gelungen sei, ihre Ortskerne neu zu beleben. Das Programm verbindet restriktive Baulandausweisung mit einem finanziellen Anreiz zum Bau oder Erwerb von Gebäuden innerhalb der Ortskerne. Gemeinsam Wohnen im alten Haus Alleine in einer inzwischen zu groß gewordenen Wohnung auf das Lebensende zu warten, ist eine Möglichkeit von Wohnen im Alter. Wer das nicht möchte, sollte beizeiten nach einer Alternative suchen. Wie die aussehen kann, schilderte Lothar Helm, der zusammen mit seiner Frau und drei weiteren älteren Paaren ein in Darmstadt gelegenes Gehöft von 1759 sanierte. Jedes Paar hat dort nun eine abgeschlossene, allerdings vergleichsweise kleine Wohnung. Zusätzlich stehen reichlich Gemeinschaftsräume zur Verfügung. Die Bewohner haben sich außerdem gegenseitig zu Hilfe und Beistand im Bedarfsfall verpflichtet, nicht aber zur Pflege. Allein die Planung des Projekts dauerte vier Jahre. Und auch die Barrierefreiheit blieb eine Illusion. Trotzdem zeigte sich Helm begeistert: „So gut, so schön hätten wir es uns nicht vorgestellt.“ Damit solche Initiativen kein Einzelfall bleiben, wird das Landesamt für Denkmalpflege Hessen 2008 einen Sondertopf für strukturschwache Regionen bilden, wie der Vorsitzende der Vereinigung der Landesdenkmalpfleger Gerd Weiß in der abschließenden Podiumsdiskussion berichtete. Alte Bauten in einer alternden Gesellschaft werfen viele neue Fragen auf – deshalb der abschließende Appell von Arno Sighart Schmid, Präsident der Bundesarchitektenkammer: „Wir dürfen das Wohnen nicht aus der Forschung entlassen.“
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