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Zurück in die Stadt – aber wie?
Neuntes Architektur-Quartett im Bode-Museum
Bundesarchitektenkammer e.V. 01.11.2007

Zurück in die Stadt, lautet seit den 90ern die Devise in Berlin. Doch reicht es für ein solches Projekt, wesentliche Lebensbereiche wieder verstärkt in der Stadt anzusiedeln oder zählt auch die konkrete Architektur? Das neunte Architektur-Quartett der Bundesarchitektenkammer, das am 13. September in Kooperation mit den Staatlichen Museen zu Berlin im Bode-Museum stattfand, leistete anhand drei konkreter Bauten eine Art Evaluation.

Zur Diskussion standen die Wohnetagen Steinstraße von carpaneto.schöningh architekten, die Sporthalle im Hausburgviertel von Chestnutt_Niess und das Einkaufszentrum Alexa von Ortner+Ortner und RTKL mit José Quintella. Auf dem Podium diskutierten Nicola Kuhn vom Tagesspiegel, Prof. Dr. Werner Sewing von der TU Berlin und Christian Thomas von der Frankfurter Rundschau. Als interessierter Laie wirkte Prof. Dr. Martin Roth mit, Generaldirektor der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden. Der Kunsthistoriker Dr. Christian Welzbacher stellte dem Publikum die Projekte vorab in Wort und Bild vor.

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Kritiker im Gespräch (v. links): Museumsdirektor Martin Roth, der Publizist Werner Sewing sowie die Journalisten Nicola Kuhn und Christian Thomas

Wohnen im Puzzle

Nur selten haben die Kritiker des Architektur-Quartetts so einhellig und so überschwänglich ein Projekt gelobt wie die Wohnetagen Steinstraße. Auf der Basis modularer Teilflächen hatten die Architekten in unmittelbarer Nähe des Hackeschen Marktes 22 Wohnungen zusammengesetzt. Nicht nur das puzzleartige Erscheinungsbild und die Berücksichtigung individueller Nutzerwünsche überzeugte die Kritiker, sondern auch die gemischte Bewohnerstruktur des Baugruppen-Projekts: „ein absolut gelungenes Mehrgenerationenhaus“ fasste Werner Sewing das allgemeine Urteil zusammen.

Christian Thomas äußerte sich insbesondere beeindruckt, „dass auf der einen Seite die Architekten sehr genau gewusst haben, was sie mit dem Gebäude machen wollen und dass auf der anderen Seite eine ziemlich große Gelassenheit und nicht ein zu stark forcierter Ausdruckswille gewaltet hat“. Leise nur meldeten Nicola Kuhn und Martin Roth Fragen nach möglichen Kompromissen im Zusammenleben und nach dem Funktionieren der Etagen an, wenn die Bauherrengeneration einmal auszieht.

Eine Sporthalle als Glücksversprechen

Sehr angetan zeigten sich die Kritiker ebenfalls von der Sporthalle der Hausburgschule auf dem Gelände des ehemaligen Berliner Schlachthofs in Friedrichshain. Die Reminiszenzen an die alte Rinderhalle fand Christian Thomas zwar „ein wenig unheimlich“, aber das Spiel mit vorgefundenen Proportionen überzeugte nicht nur ihn. Vor allem der moderne Innenraum der 1480 qm großen Sporthalle hatte es dem Quartett angetan: „Innendrin ist es unglaublich überzeugend. Das ist hell, klar, absolut einladend.“, so Martin Roth. Auch die Funktionsräume wie die Umkleidekabinen seien „immer noch ganz schön“.

Etwas ratlos ließ die Kritiker allerdings der Vorhof zur Sporthalle, halb innen, halb außen und mit unklarer Funktion, wenn nicht gar mit Assoziationen an einen Sakralraum. Noch stärker war aber das Befremden über die ganze Umgebung des größtenteils abgerissenen Schlachthofs, die Werner Sewing als „Resultat einer Fehlplanung“ und „noch absolut öde“ bezeichnete: „Die Sporthalle ist erst ein Vorzeichen dessen, was da kommt.“

Erfundene Rekonstruktion

Die bewusste Anlehnung des Einkaufszentrums Alexa ans Art déco löste auf dem Podium eine Debatte darüber aus, ob sich die Mall überhaupt mit den Maßstäben der Architektur-Kritik messen lässt. Zwar argumentierte Christian Thomas, das Gebäude sei schon allein deswegen „eine ziemliche Zumutung, weil versucht worden ist, an eine Tradition anzuknüpfen, die am Alexanderplatz nie existiert hat“. Doch Werner Sewing erklärte: „Das ist eine andere Form von Realität. Wenn man in Hongkong sitzt und an Berlin denkt, denkt man an die 20er Jahre. Und wenn ich dazu noch ein bisschen oberflächlich bin, assoziiere ich 20er Jahre mit Art déco.“ Sewing stellte seinen Ansatz in Zusammenhang mit den überall um sich greifenden Rekonstruktionen, eine These, die Martin Roth auf den Punkt brachte: „Sie sagen, wir sind soweit dem Rekonstruktionswahn verfallen, insofern macht es auch gar nichts mehr aus, wenn wir auch hier so tun, als ob das irgendeine Art von Rekonstruktion wäre, also das Stadtschloss vorweggenommen als Konsumschloss.“

Nicola Kuhn und Christian Thomas hoben den Gestaltungsaufwand im Inneren des Alexa hervor. „Es hat eine freundliche Anmutung, es hat einen gewissen Charme“, so Kuhn. Gnadenlos fiel allerdings das Urteil über die Fassade aus, in den Worten Martin Roths: „ein unglaublicher Riegel und das an einem Premiumplatz mitten in der Stadt“.

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