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Drei völlig unterschiedliche Bauten standen beim siebten Berliner Architektur-Quartett zur Diskussion: das Concorde Hotel Berlin von Jan Kleihues, ein Privathaus von HamannPottArchitekten und die Philologische Bibliothek der FU Berlin von Norman Foster. Und doch machte der ehemalige Berliner Kultursenator Prof. Dr. Christoph Stölzl, der als interessierter Laie auftrat, einen gemeinsamen Nenner aus: „die Freude der Architekten an der Skulptur“. Mit Stölzl diskutierten am 16. September in der Akademie der Künste die freie Architekturkritikerin Ira Mazzoni, Dr. Dieter Bartetzko von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und Nikolaus Bernau von der Berliner Zeitung. Der Kunsthistoriker Dr. Christian Welzbacher stellte dem Publikum die Projekte vorab in Wort und Bild vor.


Luxus für den demokratischen Mitnutzer Den Auftakt machte das Quartett mit dem Concorde Hotel, das „überschwängliches Lob“ und „abgrundtiefes Entsetzen“ hervorrief, so Bartetzko. Lob erntete vor allem die Fassade des zur angrenzenden Bebauung abgestuften 16-stöckigen Hochhauses, das seinen höchsten Punkt mit einer Rundung an der Kreuzung von Augsburger- und Joachimsthalerstraße erreicht. Das Quartett zeigte sich begeistert vom Anknüpfen an die Berliner Tradition der Moderne, insbesondere von den Anklängen an das Shell-Hochhaus aus dem Jahr 1932: „Davon gibt es viel zu wenig. Jetzt gibt es ein zweites, das ist jedenfalls sehr schön.“ befand Stölzl. Bernau monierte jedoch, im Gegensatz zum Shell-Hochhaus sei das Concorde Hotel nicht aus Travertin, sondern aus Muschelkalk gebaut – einem Material, das in Deutschland spezifisch von den Rechten eingesetzt worden sei: „Ich habe eine Bauform, die bis ins Detail hinein so tut, als wenn sie Art Deco wäre und ein Material benutzt, das dem völlig widerspricht“. Ganz anders sah das Bartetzko. Der Architekt habe „dem Muschelkalk das Tanzen beigebracht“. 

Umso einhelliger war die Enttäuschung über das Interieur. Bartetzko bedauerte „bei aller Eleganz im Detail“ das „Wiederaufleben der misslichen 70er Jahre in all ihrer Plumpheit und auch der Farbgebung“. Mazzoni kritisierte, trotz der großen Chance von Kleihues, die Einrichtung zusammen mit der Architektur zu entwerfen, sei das Interieur „genauso modisch wie jedes andere“. Für Passanten dürfte das allerdings verschmerzbar sein: „Ich geh’ da da doch nicht rein für 295 Euro Kleinstpreis,“, resümierte Stölzl, aber „für den demokratischen Mitnutzer ist das Haus wunderbar.“ Ein Haus zum Liebhaben Ein Haus, so individuell und schön, um es sofort ins Herz zu schließen, ein Haus aber auch, dass seine Bewohner – eine vierköpfige Familie – zwingt, „sich lieb haben zu müssen ein Leben lang“ (Stölzl): das waren die Pole, zwischen denen sich die Diskussion des von HamannPottArchitekten auf einem rückwärtigen Grundstück in Berlin-Lichterfelde errichteten Einfamilienhauses bewegte. Bernau wies vor allem auf die Problematik hin, dass der Weg zu den Privaträumen, insbesondere den Kinderzimmern, „nur durch total kontrollierten öffentlichen Raum“ führt, einen großen Gesellschaftsraum mit Küche, Kamin und Wohnbereich – eine Anordnung, die Mazzoni an einen „uralten Haustyp“ erinnerte: „ein Einraumhaus, wo sich die Familie um den Herd sammelt, um das Feuer, und die Wirtschaftsräume, in diesem Fall die Privaträume, sind hintendran. Da war früher dann der Stall, jetzt sind es Kinder und Erwachsene und Nasszellen“. 

Abgesehen von der Frage einer „selbstgewählten Diktatur“ (Bartetzko) herrschte jedoch Enthusiasmus pur. Ob nun die „absolut großartige“ Ausstattung mit Wandschränken (Bernau), die „lichte Farbigkeit“ im Gebäudeinneren und der freie Umgang mit geometrischen Formen (Stölzl) oder die Fassade aus Kupfer, dessen Maserung „fast an Holz erinnert“ (Mazzoni): Das Quartett freute sich über „ein wirkliches Raumwunder“ (ebenfalls Mazzoni). Eine Kirche, ein Brunnen oder eine Bibliothek Spinnt die neue Philologische Bibliothek der FU Berlin im Dahlemer Villenviertel die alte Rostlaube fort, jenen utopischen Entwurf von Georges Cadillis, Alexis Josic und Shadrach Woods aus den 60er Jahren, dessen horizontal orientierte Rasterstruktur auf Zufallsbegegnungen und rasche Kommunikation zielte, oder schafft sie endlich Ordnung im Chaos? Die Antworten des Quartetts auf diese Frage fielen höchst unterschiedlich aus, wie könnte es anders sein, abhängig von der jeweiligen Position zur Rostlaube. 

Bernau, der es als „Skandal allererster Klasse“ bezeichnete, dass das Gebäude bis heute nicht unter Denkmalschutz steht, befand, Foster habe mit der blasenförmigen Bibliothek „diese Idee aus den späten 60er, frühen 70er Jahren weitergestrickt, und gesagt, wir müssen ein Gebäude benutzen als Struktur“. Stölzl, der die Rostlaube als „Anschlag gegen den Geist der Universität“, die Unterscheidung von Bedeutendem und Unbedeutendem wertete, hielt dagegen: „Was jetzt passiert, ist genau das Richtige. Jetzt kommt Dialektik rein. Hätte die Rostlaube von Anfang an so etwas gehabt – rund gegen eckig, hoch gegen niedrig, Dschungel gegen Ordnung –, dann wäre es nie dazu gekommen, dass viele Leute sagen, die Rostlaube ist schrecklich.“ Universitätsarchitektur brauche „irgendein Erkennungszeichen, einen Brunnen, einen Park, eine Kirche, ein Tor oder einen Portikus, wo du weist, da findest du die anderen.“ Mazzoni sah die Bibliothek ebenfalls als Gegensatz zur Rostlaube, verteidigte aber deren Anliegen: „Wir sprechen heuet alle vom vernetzten Denken. Hier ist eine Universität, die das tatsächlich vom Grundriss her perfekt anbietet.“ Mit der Bibliothek sei in diese Struktur „ein extremer Fremdkörper“ implantiert worden. Doch folgt die Bibliothek an sich betrachtet einem skulpturalen Ansatz, wie Stölzl schwärmte, oder verzichtet sie in der Orientierung an einer Naturform auf Architektur im eigentlichen Sinne, das Setzen von Bedeutung, wie Bartezko vermerkte? Diese Frage blieb am Ende der spannenden, von Zumtobel Staff finanziell unterstützen Diskussion offen.
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