|
Stadt- und Landschaftsplanung interdisziplinär - Geht das? Wie geht das weiter? - so der Titel der Veranstaltung der Bundesarchitektenkammer (BAK) in Kassel am 24. November 2000.
Wichtige Fragen in Zeiten der Netzwerke und Teamarbeit. Rund 60 Teilnehmer und Referenten diskutierten, wie die Zusammenarbeit zu gestalten sei. Denn die Landschaftsarchitekten wie auch die Stadtplaner haben erkannt: Kooperationen schaffen Wettbewerbsvorteile. Ein vernetztes Planen kann sogar die Qualität der eigenen fachlichen Arbeit erhöhen, so die Erfahrungen von Prof. Lutz Hachenberg, freier Stadtplaner, argeplan Stuttgart und Dr. Alexander Kuhn, Landschaftsarchitekt, Geschäftsführer Regioplan Ingenieure GmbH, Mannheim, bei ihrem gemeinsamen Projekt in Viernheim. Wichtig sei nicht nur ein partnerschaftliches Zusammenarbeiten, sondern eine gleiche Gewichtung von Leistung und Talent der beiden Partner, betonten die Architekten Lothar Mundt und Rainer Mühlinghaus aus Bensheim. Beide sprachen positiv über die langjährige Zusammenarbeit ihrer beiden Büros, verheimlichten jedoch nicht, dass es manchmal auch "den Blutkreislauf" fördere und sie gelegentlich zu Konkurrenten werden oder Projektkooperationen mit anderen Kollegen eingehen. Grundlegend sei der gleiche Anspruch an die Arbeit: Bester Gewinn oder beste Arbeit. Für ihre interdisziplinäre Bearbeitung in einem Büro konnten die Landschaftsplanerin Karin Bukies und der Stadtplaner Georg Böttner von der Planungsgruppe Stadtlandschaft in Hannover das Fazit ziehen: Vorteil durch verbesserte Integration von landesplanerischen Belangen in städtebaulicher Planung. Weder in der Ausbildung noch in der Praxis sei eine Abgrenzung von Vorteil, so die Sicht der Landschaftsarchitektin Dr. Ulrike Pröbstl, die sich für eine Zusammenarbeit von Stadtplanern und Landschaftsarchitekten aussprach. In ihrem Plädoyer für langfristige Kooperationen beider Fachrichtungen verschwieg sie nicht die damit verbundenen Probleme im Büroalltag. Aber gemeinsam lassen sich die hochschraubenden Erwartungen der Bauherren an eine Visualisierung der Pläne besser bewältigen. "Mit guten Präsentationen können Architekten eine positive Stimmung ermöglichen", so ein guter Tipp von Dr. Jürgen Busse, Geschäftsführendes Präsidialmitglied des Bayerischen Gemeindetags. Seine bisherigen Erfahrungen über die Teamarbeit zwischen Kommunen und Planern zeigten ihm, Architekten sollten versuchen, sich in die Lage der Stadträte zu versetzen und Gegebenheiten seitens der Kommunen zu akzeptieren, demnach Planungskonzepte auch umzuformulieren. Die Architektenkammern fordert er auf, Wege für interdisziplinäres Arbeiten zu bereiten. Für das gemeinsame Wirken auf der kommunalen Ebene und für intraregionalen Maßnahmen forderte Prof. Dr. Rudolf Schäfer von der Forschungsgruppe Stadt + Dorf GmbH in Berlin eine stärkere Zusammenarbeit der Kommunen, um Aktionen aufeinander abstimmen zu können. Eine Zukunft sieht er auch in den Maßnahmen der Öko-Konten. Auf der Habenseite des Öko-Kontos sind Ausgleichsflächen zugunsten von Natur und Landschaft verbucht, angespart von der Gemeinde in "natura". Von diesem Flächenpool werden dann im Falle eines Eingriffsbebauungsplans Ausgleichsflächen abgebucht. Zur Umsetzung eines ökologischen Konzeptes ist eine Abstimmung zwischen Stadt- und Landschaftsplanern sinnvoll, damit der Ausgleichsbedarf frühzeitig geschätzt werden kann. Die Ergebnisse des Kasseler Erfahrungsaustausches sollten nicht als ökonomischer Notausgang in harten Zeiten begriffen werden, sondern als Chance und Zukunftsperspektive. Organisiert und moderiert wurde die Veranstaltung durch die BAK, vertreten durch die Ausschussvorsitzenden der BAK-Ausschüsse für die Belange der Landschaftsarchitekten und der Stadtplaner Stefan Wirz und Dr. Harald Kissel.
|