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Veranstaltung 2004
Bundesarchitektenkammer e.V. 29.04.2004

Gute Praxis in die Breite bringen. Veranstaltung "Baukultur macht Schule"

In Zeiten zunehmender Verteilungskämpfe einen neuen Gegenstand im Schulunterricht verankern zu wollen ist ein ehrgeiziges Unterfangen. Wenn schon etablierte Fächer kultureller Bildung wie Musik, Literatur und bildende Kunst mehr und mehr in Bedrängnis geraten, wie soll da Raum für Baukultur geschaffen werden?

Um eine Antwort auf diese Frage zu finden, hatten die Bundesarchitektenkammer (BAK) und der Rat für Baukultur für den 22. April 2004 zu der Veranstaltung „Baukultur macht Schule“ in die Brandenburgische Landesvertretung (Berlin) geladen. Die Veranstaltung verfolgte ein doppeltes Ziel, so BAK-Präsident Peter Conradi: „Zum einen wollen wir den guten Beispielen, von denen es inzwischen viele gibt, ein Forum bieten und damit anregen, den Austausch untereinander zu intensivieren. Zum anderen wollen wir in das kulturelle Umfeld einwirken und die schulpolitische Landschaft verändern.“ Als aktuelle kulturpolitische Baustellen nannte Conradi das Projekt Kulturelle Bildung des Deutschen Kulturrates, die Enquete-Kommission „Kultur in Deutschland“ des Deutschen Bundestages und die Initiative Architektur und Baukultur der Bundesregierung.

Prof. Dr. Max Fuchs, Vorsitzender des Deutschen Kulturrates, unterstrich, der Baukultur komme als Teil der kulturellen Bildung in der gegenwärtigen Bildungsreform eine große Bedeutung zu. Nach dem schlechten Abschneiden Deutschlands bei der PISA-Studie sei der Blick zu sehr auf Kognitives und Messbares verengt worden. Um der „strukturellen Demütigung“ deutscher Schüler, die in der PISA-Studie diagnostiziert worden sei, ein „Klima der Ermutigung“ entgegen zu setzen, eine „Schulkultur, in der Leistung Freude macht“, sei ein weiter Bildungsbegriff wie „Lebenskompetenz“, „Daseinskompetenz“ oder „Lebenskunst“ erforderlich. Baukultur sei „nicht nur ein ästhetisches, sondern ein ganz eminent politisches und soziales Lernen.“ Dabei spiele die Schularchitektur eine große Rolle: Schüler bräuchten eine „Lebenslandschaft“, eine räumlich schön gestaltete Umgebung mit der Qualität eines Wohnumfeldes.

Wie gute Praxis aussehen kann, zeigte zunächst BAK-Vizepräsidentin Nina Nedelykov, die einen Überblick über die Projekte der Länderarchitektenkammern gab. Das Spektrum reichte von Projektarbeit in der Schule über die Herstellung von Lehrmaterialien und politische Initiativen bis hin zur Lehrerfortbildung. Zwei Mittelstufenschüler aus Berlin, Kai Täschner und Philipp Ernst, berichteten über das fünftägige Projekt „Zwischenüberhindurchentlang – Architekturelemente und Bewegung“, an dem sie zu Grundschulzeiten mitgewirkt hatten. Besonderen Spaß habe es ihnen gemacht, durch die Bewegungsaufgabe „Führen und Berühren“ den Raum stark wahrzunehmen und Vertrauen zu lernen und beim Entwerfen selbst zu erfinden.

Hanna Hilger von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz präsentierte danach das bundesweite Projekt „denkmal aktiv“, das die Stiftung in Kooperation mit der deutschen UNESCO-Kommission nach einer Pilotphase im Herbst 2003 offiziell gestartet hat. Ziel sei ein Netzwerk von Schulen, das den kulturellen Umweltschutz in den Unterricht trage. Manchmal geschieht dies sogar grenzüberschreitend, wie die drei Oberstufenschüler Anja Behrens, Christine Franz und Eduard Zell aus Rostock demonstrierten. Zusammen mit einer Partnerschule in Italien arbeiten die Teilnehmer eines Physikleistungskurses an einem Architekturführer, der die Neue Sachlichkeit in Rostock und Bergamo gegenüberstellt.

Die abschließende Podiumsdiskussion brachte Hinweise, was die Politik tun kann, damit die guten Beispiele Schule machen. Tilo Braune, Staatssekretär im Bundesministerium für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen, verwies auf die künftige Stiftung Baukultur, die das Thema Architektur und Baukultur in der Schule in der gesellschaftlichen Debatte halten werde. Darüber hinaus appelliere der Bund an die Länder, bereits im Kindergarten mit baukultureller Bildung zu beginnen. Gitta Connemann, Vorsitzende der Enquete-Kommission „Kultur in Deutschland“, nannte Ganztagsschulen als besondere Chance für kulturelle Bildung, die die Vertreter der Baukultur nutzen müssten. Die Enquete-Kommission denke außerdem darüber nach, Kultur als Grundrecht im Grundgesetz zu verankern, um so die kulturelle Grundversorgung zu sichern. Thomas Krüger, Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung, kündigte Arbeitsmaterialien zum Thema Baukultur für Vertretungsstunden an. Bundesinstitutionen könnten aber nur Anreger sein, Ziel müsse es sein, Partner in Ländern und Kommunen, in Schulen und Weiterbindungseinrichtungen zu gewinnen, um „gute Praxis in die Breite zu bringen“. Dr. Otto Seydel vom Institut für Schulentwicklung in Überlingen warnte davor, Baukultur zu einem konventionellen Unterrichtsgegenstand zu machen. Die Politik müsse vielmehr den Dialog zwischen Lehrern und Architekten als externen Experten fördern. Priorität habe jedoch erst einmal die Schularchitektur selbst: „Bevor die deutschen Schulen nicht schön sind, möchte ich andere schöne Gebäude gar nicht zum Thema machen.“

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