Experimente wagen. Verleihung des Taut-Stipendiums 2004 

„Keine Experimente wagen“ war der Slogan, mit dem Konrad Adenauer 1957 in die Bundestagswahl zog. Heute dürfte er damit erneut Erfolg haben, zumindest nimmt man die Architektur als Seismograph. Retro ist allerorten angesagt, Experimente haben derzeit wenig Chancen. Genau dazu aber ermutigte Kulturstaatsministerin Christina Weiss die Preisträger des Taut-Stipendiums 2004. Die Verleihung des hoch dotierten Architekturpreises, die am 9. Juni im Bankettsaal des Bundeskanzleramts stattfand, verband sie mit der Hoffnung „auf neue, engagierte wie kreative und auch ungewöhnliche Antworten“. Architekten und Planer seien „immer öfter mit Stagnation und Schrumpfen, mit Fragen der Nachhaltigkeit und des ,Rückbaus’“ konfrontiert. Die Probleme der Gegenwart wie die Suburbanisierung verlangten nach „neuen urbanen Antworten“. Es seien „nicht die architektonischen Glanzlichter, die der deutschen Architekturszene fehlen.“, so Weiss. Und es sei „auch nicht allein das mangelnde Geld, das richtungweisende Entwürfe“ verhindere: „Was uns fehlt sind schlüssige Konzepte, die mit dem Phänomen unserer Zeit umgehen. Wir brauchen Experimente, die auf Programmen basieren, die auch Außergewöhnliches zulassen und mit Fehlplanungen und Irrtümern umgehen können. Mit einem Wort, wir brauchen mutigere Architekten (und Stadtplaner).“ Mut zum Experiment war auch eine der drei Tugenden, die BAK-Präsident Peter Conradi mit den Namensgebern des Preises verband: „Die Brüder Taut sind nie stehen geblieben, haben nicht wie manche modischen Architekten unserer Zeit ein ,Label’, man könnte auch sagen eine ,Masche’ gefunden und die dann in vielen Variationen über die Welt verbreitet, sondern sie waren offen für Neues.“ Conradi hob außerdem das gesellschaftliche und politische Engagement von Bruno und Max Taut Und die Warnung Bruno Tauts vor der „,Selbstüberschätzung’“ junger Architekten vor. Wie experimentierfreudig die Verfasser der jahrgangsbesten Architektur-Diplomarbeiten an deutschen Hochschulen sind, davon konnten sich die Gäste im Bundeskanzleramt einen ersten Eindruck bilden, als die Preisträger dort ihre Arbeiten vorstellten. Wer in Berlin nicht dabei sein konnte, hat nun die Gelegenheit, dies nachzuholen. (s. nebenstehende Artikel). Die Preisträger wiederum dürfen sich jetzt erst einmal freuen, dass ihre Arbeiten mit einem Auslandsstipendium von 2.500 Euro monatlich für maximal ein Jahr ausgezeichnet worden sind.
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