| Vom 16. bis 18. April fand das Europäische Forum für Architekturpolitik (EFAP) in Zusammenarbeit mit der tschechischen Architektenkammer in Prag statt. Das diesjährige Motto der Konferenz lautete „Umsetzung von Architekturpolitik - neue Erwartungen“ (Implementation of Architectural Policies - New Expectations). Die halbjährlichen Forumstreffen finden jeweils in dem Land statt, das die EU-Ratspräsidentschaft innehat. Die Teilnehmer, die sich aus Fachkritikern, Regierungsvertretern und Architekten zusammensetzten, diskutierten über den derzeitigen Sachstand vorhandener Architekturpolitiken sowie deren zukünftigen Weiterentwicklung und Durchführung auf europäischer Ebene. In den Präsentationen und Diskussionsrunden wurde ausgeführt, wie Architekturpolitik in den verschiedenen Mitgliedsländern praktisch umgesetzt wird bzw. welche Defizite noch vorhanden sind. Beispiele, wie das innerstädtische Entwicklungskonzept für die Hafencity in Hamburg - bei dem ein interaktiver Ansatz aller Planungsbeteiligten zum Tragen kommt - oder das niederländische Netzwerk „Architektuur lokaal“ veranschaulichten die praktische Umsetzung von Architekturpolitik auf der städtischen- und regionalen Ebene. Eine weitere Möglichkeit, Architekturpolitik im Bewusstsein von Öffentlichkeit und Politik zu festigen zeigte eine Initiative des französischen Architekturzentrums mit dem Titel „Architektur verstehen“ (Comprendre l´architecture). Hauptaufgabe ist hier, Kinder bereits ab der Grundschule für Architekturthemen zu sensibilisieren. In Irland werden bereits seit geraumer Zeit durch Printausgaben und Fernsehsendungen verstärkt architekturpolitische Themen in der Öffentlichkeit kommuniziert. Generell wurde eine stärkere Berücksichtigung und Verankerung von Architekturpolitik in den relevanten EU-Gesetzgebungsverfahren gefordert. Derzeit werde auf der europäischen Ebene noch zu wenig über Architekturqualität diskutiert und deren sozioökonomisches Potential oftmals vernachlässigt. Die Teilnehmer begrüßten daher übereinstimmend die vom Rat der Europäischen Union formulierten Schlussfolgerungen zur Architektur vom 13. Dezember 2008 (wir berichteten im BaB 1/2009). Eine stringente und besser abgestimmte Vorgehensweise wird besonders im Hinblick auf die künftigen legislativen Vorschläge und Initiativen seitens der EU im Bereich der Umwelt- und Energiepolitik als notwendig erachtet. Vorgeschlagen wird weiter, die Einrichtung eines sogenannten „round table“, an dem sich Repräsentanten von Städten und Regionen, Architekten und Legislativgeber regelmäßig austauschen können. Es ist zudem beabsichtigt, die inhaltliche Umsetzung von Architekturpolitik durch den Ausbau der Aktivitäten mit dem Netzwerk URBACT, der Urban Development Group (UDG) sowie den Dialog mit den Europäischen Institutionen verstärkt voranzutreiben. Weiter wurden als Maßnahmen u. a. ein sogenanntes „Nachschlagewerk für Architekturpolitik“ (Thesaurus of Architecture Policies) genannt, indem sich Leitfäden und Empfehlungen für eine effiziente Anwendung oder die Aufnahme von „best practice“-Beispielen finden. Den Höhepunkt der Veranstaltung bildete die von einem Repräsentanten des tschechischen Bildungsministeriums und dem Präsidenten der tschechischen Architektenkammer, Jan Stipek, unterzeichnete Erklärung (Joint Memorandum). In dieser wurde vereinbart, die Belange der Architektur verstärkt auf der politischen Bühne einzubinden. Konkret an den Gesetzgeber wurde darin der Appell formuliert, Architektur als wichtigen ökonomischen, ökologischen und sozialen Baustein der Gesellschaft umfassender als bisher in relevanten gesetzgeberischen Prozessen Rechnung zu tragen. Beschlossen wurde weiter, dass der bereits vorhandene gemeinsame Dialog zwischen Architektur und Politik weiter ausgebaut und vertieft werden soll. Die Vertreter Schwedens gaben abschließend einen Ausblick auf den nächsten EFAP-Kongress, der im Dezember in Stockholm stattfinden wird. Schwerpunktthemen werden die städtische Infrastruktur, die Mobilität und die urbanen Raumstrukturen sein; geplant ist darüber hinaus, das Thema „Baukultur“ aus dem sozioökonomischen Blickwinkel zu betrachten. Bereits seit mehreren Jahren engagiert sich die BAK diesbezüglich aktiv im Netzwerk des EFAP, um darin vor allem im Bereich der nachhaltigen Stadtentwicklungs-politik und weiter in Zusammenarbeit u. a. mit der Bundesstiftung Baukultur oder beim Lenkungsausschuss Architektur und Baukultur des BMVBS mitzuwirken. Den Wortlaut des Memorandums können Sie hier abrufen.
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