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Die Aufgabe zeitgenössischer Architektur hätte kaum unterschiedlicher beschrieben werden können als bei der Verleihung des Taut-Preises am 30. Juni 2006 im Bundeskanzleramt, die Fernsehjournalistin Astrid Frohloff moderierte. 

Zunächst formulierte Philipp Loeper, einer der Taut-Preisträger des Jahres 2003, den Anspruch „Offenheit gegenüber Neuem und ein Qualitätsbewusstsein zu entwickeln“. Es seien „Zukunftsbilder“ gefragt, „die Nachhaltigkeit und soziale Aspekte mit einbeziehen, die offen und feinsinnig gegenüber gesellschaftlichen Veränderungen sind“. Loeper berichtete von seinen Erfahrungen im Büro von Herzog & de Meuron, wo er seit fast zwei Jahren an dem Projekt der Elbphilharmonie Hamburg arbeitet. Die „Offenheit für unterschiedlichste Ansätze ohne vorgefertigte Anleitungen wie Architektur funktioniert“ machten die Arbeit bei Herzog & de Meuron zwar anstrengend, aber eben auch umso interessanter. Loeper beschwor die „Macht der Bilder“. Schon die relativ abstrakten ersten Visualisierungen hätten die Elbphilharmonie lange vor Baubeginn zu einem neuen Wahrzeichen werden lassen. Der Berliner Architekt Tobias Nöfer, Festredner zum Thema „Die Zukunft der Architektur“, beschwor dagegen die „Öffnung zur Geschichte“. Es sei nicht die Zeit für große architektonische Visionen und das Neue in der Architektur sei kein Wert an sich, wie Nöfer an drei Beispielen zu belegen suchte. Erstens seien „die archaischen Bauformen der Architektur wie Rundbogen, Säule, Gesims trotz ihrer Kraft in der modernistischen Architektur stigmatisiert“. Zweitens brauche „das städtische Haus auch in Zukunft ein Gesicht und eine Körpersprache, die nicht ersetzt werden können durch technische Innovation“. Drittens müsse „der Neubau in der Baulücke nicht auffällig sein“. Zuvor hatten Staatminister Bernd Neumann, der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, und BAK-Präsident Prof. Arno Sighart Schmid jeweils die gesellschaftliche Verantwortung der Architektur hervorgehoben. Neumann betonte außerdem den Wert der Formenvielfalt zeitgenössischer Architektur: „Diese Vielfalt ist ein großer Glücksfall. Denn sie erst schafft die Möglichkeit, das Bestehende zu hinterfragen und nach Verbesserung zu streben. Eine Gesellschaft, die diese Möglichkeit nicht bietet, wird auch keine große Architektur hervorbringen.“ Um diese Vielfalt herzustellen, fördere die Bundesregierung den Nachwuchs in der Erwartung, dass dieser „immer wieder seinen Horizont erweitert.“ 

Schmid rief die Taut-Preisträger auf, diese Chance zu nutzen, um mit ihren Ideen nicht nur Einfluss auf die Gestaltung der Umwelt, sondern auch auf die Entwicklung der Gesellschaft zu nehmen. Der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien und die Bundesarchitektenkammer loben den nach den Gebrüdern Bruno und Max Taut benannten Architekturpreis seit 2001 jährlich aus. Auch in seinem sechsten Jahr ist der höchst dotierte Preis für den begabten Architektennachwuchs Teil der „Initiative Architektur und Baukultur“. Die Preise gingen dieses Jahr an Axel Beck (TU Braunschweig), Thomas Gantner (Universität Stuttgart), Florian Rist (TU München) und Dominik Tenhumberg (FH Münster). Anerkennungen erhielten Corina Dietrich (Bauhaus-Universität Weimar) und Marcel Lehmann (BTU Cottbus).
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