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Was vor über 15 Jahren mit einzelnen Projekten begann, entwickelt sich mehr und mehr zu einer Bewegung in die Breite: die Architekturvermittlung in der Schule – so zumindest das Fazit einer Veranstaltung der Bundesarchitektenkammer (BAK) am 27. April in der Österreichischen Botschaft Berlin. Bestes Beispiel war das neue Heft „Baukultur und Schlossgespenster“, das Thomas Krüger (Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung) vorstellte. Das Heft erscheint in der Reihe „Themenblätter im Unterricht“ mit 15.000 Klassensätzen pro Ausgabe, das heißt allein eine Ausgabe hat gut 400.000 Arbeitsblätter. Einen vergleichbaren Sprung der Architekturvermittlung in eine größere Masse von Schulen hat es in Deutschland bisher nicht gegeben. Vermittlung als Dialog Das Heft der Bundeszentrale ist einer von vielen Ansätzen, die hoffen lassen, dass die Architekturvermittlung in deutschen Schulen vorangeht. Wie wichtig Architektur für das kulturelle Fundament ist, unterstrich der Österreichische Botschafter Dr. Christian Prosl in seiner Begrüßung: „Europa wäre ohne Architektur eine geistige Wüste“, eine Einschätzung, die BAK-Präsident Prof. Arno Sighart Schmid bekräftigte: „Ob wir als Zivilgesellschaft bestehen bleiben, hat auch viel mit Architektur zu tun.“ Was aber heißt Architekturvermittlung? Ist sie vornehmlich darauf ausgerichtet, Schüler „seh-, sprach- und entscheidungsfähig zu machen“, wie Dr. Barbara Feller (Geschäftsführerin der Architekturstiftung Österreich) formulierte? Oder muss das Sprechen über Architektur auch einen neuen Stellenwert im Berufsfeld der Architekten erhalten, so Feller ebenfalls? Ist Architekturvermittlung also auch eine Herausforderung an die Architekten selbst, sind sie bereit für anspruchvollere Bauherren, wie Dr. Riklef Rambow von der BTU Cottbus fragte? Rambow verwies auf einen finnischen Bericht zur Architekturvermittlung, der als Ziel definiert, das Verhältnis von Experten und Laien neu zu bestimmen. Gestüzt auf eigene Untersuchungen zur Wahrnehmung von Architektur durch Schüler plädierte Rambow für eine universitär verankerte Architekturdidaktik einerseits, für leicht zugängliche („ready-to-use“) und alltagsrobuste Projektideen und Materialien andererseits. Ansätze dazu lieferte die Veranstaltung in Hülle und Fülle.

Best practice und der nächste Schritt Dr. Ernst Wagner vom Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus berichtete zum Beispiel von Direktorentagungen, die Schulleitern die Augen für Architektur und deren Beitrag zum Schulprofil öffnen sollen. Außerdem stellte Wagner eine Projektreihe zur Lehrerfortbildung vor, deren Schwerpunkt in der ersten Phase von 2001 bis 2003 (transform2raum) auf dem Generieren von Best-Practice-Modellen lag und deren zweite, 2005 begonnene Phase (transform architektur) auf eine inhaltliche und strukturelle Systematisierung zielt (Curriculum bzw. fächerübergreifende Teams und Schwerpunktschulen). Hartmut Miksch (Präsident der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen) präsentierte einen Klassiker unter den Schulprojekten der Länderarchitektenkammern: die Reihe Kammer in der Schule (KidS). Leitidee von inzwischen zwölf Projekten ist es, dass Schüler ihr schulisches Umfeld nach eigenen Ideen, mit eigener Kraft und mit fachlicher Unterstützung durch Architekten verbessern, ob nun eine desolate Toilettensituation oder einen trostlosen Schulhof. Eine an deutschen Verhältnissen gemessen paradiesische Situation skizzierte Barbara Feller, die unter anderem die Vermittlungsprogramme der regionalen Architekturhäuser in Österreich vorstellte. In Steiermark und Kärnten zum Beispiel können die Schulen auf ein Angebot von acht altersspezifischen Modulen zum Thema „RAUM spüren – (be)greifen – bauen“ zurückgreifen. In einem eigens installierten Raumlabor oder in geeigneten Schulräumen ermöglichen mobile Elemente eine sinnliche Vermittlung von Raumwahrnehmung und -gestaltung – und das ohne großen Aufwand für die jeweiligen Lehrer. 

Vermittlung durch Vernetzung Architektur nicht nur isoliert zu vermitteln, sondern noch stärker in übergreifende Bildungsprozesse wie die UN-Dekade Bildung für nachhaltige Entwicklung einzubringen, regte Prof. Dr. Gerhard de Haan an, Vorsitzender des Nationalkomitees der UN-Dekade. Für eine vernetze Architekturvermittlung machten sich auch die Teilnehmer der abschließenden Podiumsdiskussion stark. Isabell Pfeiffer-Poensgen, Generalsekretärin der Kulturstiftung der Länder, lud Architektenkammern und -verbände ein, regionale Überzeugungsarbeit für eine stärkere Beteiligung am Schulwettbewerb „Kinder zum Olymp!“ zu leisten, der dieses Jahr zum ersten Mal ausdrücklich Architektur einbezieht. Johann Dieckmann, 1987 bis 2003 Stadtbaurat und Kulturdezernent von Hagen, rief dazu auf, Architektur nicht nur als ästhetisches, sondern auch eminent politisches Thema zu begreifen. Thomas Krüger sprach sich dafür aus, bei potenziellen Vermittlern anzusetzen, sei es durch eine stärkere Verankerung von Architektur in der Lehrer- und Referendarsausbildung oder durch Materialien wie das Heft „Baukultur und Schlossgespenster“. Dass das Thema des Heftes, der Wiederaufbau von Gebäuden in historischen Formen, Schüler anspricht, hatte vorab bereits ein von Architekturhistoriker Prof. Dr.-Ing Gert Kähler moderiertes Schülertrio gezeigt, das Ismael Alawye, Ipek Geri und Eva Rommeck von der Menzel-Oberschule in Berlin-Tiergarten bestritten hatten. Prof. Dr. Max Fuchs, Vorsitzender des Deutschen Kulturrates, rief die Architekten schließlich zu handfester Lobbyarbeit „im Verteilungskampf um die knappe Ressource Schulstunde und im Verdrängungswettbewerb bei der offenen Ganztagsschule“ auf: „Ohne Ihre Initiative wird es nicht gehen. Es wird niemand anderen geben, der stellvertretend für Sie sagt, jetzt brauchen wir auch noch Architektur.“
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