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Normung als Politikfeld

Normung nationale und internationale Normung als Politikfeld

Neben den herkömmlichen technischen Normvorhaben und immer vielfältiger werdenden Einzelaktivitäten privatwirtschaftlicher Akteure zu technischen Regelwerken ist bereits seit längerem die Entstehung von neuen Handlungsfeldern zu beobachten, die über die originären technischen Norminhalte hinausgehen. Zunehmend umfassen diese auch Innovationen, Forschung, Leistungsbilder, Qualifikationsanforderungen, Baudienstleistungen sowie Verfahrensprozesse und betreffen damit unmittelbar die geistig-schöpferischen Leistungen von Architektinnen und Architekten. Die Europäische Kommission sieht in Normung die Sicherung eines erheblichen Wirtschaftsfaktors und nutzt sie zur Umsetzung von politischen Zielen. So ist beispielsweise mit der Umsetzung der EU-Dienstleistungsrichtlinie ein weiteres rasantes Ansteigen der Normungsaktivitäten im Bereich der Standardisierung von Dienstleistungen festzustellen. Neben sogenannten „horizontalen“ Normen, die alle Branchen treffen, wurde der Bereich der Ingenieur- und Baudienstleistungen als ein Schwerpunktfeld benannt. Dementsprechend sind in diesem Feld auch zuvorderst „vertikale“ Normprojekte entstanden. Architekten trifft derzeit insbesondere CEN/TC 395 „Dienstleistungen im Ingenieurwesen“ und CEN/TC 405 „Dienstleistungen im Gutachter- und Sachverständigenwesen“.

Auch ist festzustellen, dass in Folge der politischen Stärkung der Bedeutung von Normung, diese weitaus häufiger als Instrument genutzt wird, Einzelanliegen zu befördern, so z.B. in den Normungsgremien zu
  • ISO/TC 59/SC 13 „Buildings and Civil Engineering works, Organization of Information about Construction Works“, das BIM vorantreibt,
  • CEN/TC 346 „Erhaltung des kulturellen Erbes“, in das der „Energieberater im Denkmal“ eingebracht wurde,
  • DIN 4109 „Schallschutz im Hochbau“, bei der die ausschließliche Anwendbarkeit durch Spezialisten zu verhindern ist, oder
  • DIN 1356 „Bauzeichnungen“, zur der erheblicher Diskussionsbedarf besteht, inwieweit eine Leistungskatalog Norminhalt sein sollte.
Aber auch in Themenbereichen wie Umwelt und Energie ist eine zunehmende Komplexität und Aufgabenvielfalt zu verzeichnen. Als Beispiel sei hier nur das innerhalb kürzester Zeit entstandene umfangreiche Arbeitsprogramm des ISO/TC 268 „Nachhaltige Entwicklung von Kommunen“ oder die Einrichtung eines neuen Fachbereichs „Energieeffizienz“ im Bereich Bauwesen genannt.
Bei der Vielzahl der Themenstränge und den zu erwartenden Auswirkungen auf das Tätigkeitsfeld der Architekten und Stadtplaner, ist es wichtig, in den einzelnen Arbeitsausschüssen und koordinierenden Gremien mitzuwirken. Vermehrt werden politische Entscheidungen durch Normung beeinflusst bzw. sogar vorbereitet. Eine verstärkte Achtsamkeit ist dringend notwendig. Die Architektenkammern der Länder und die Bundesarchitektenkammer bemühen sich, im Rahmen der derzeit zur Verfügung stehenden Mittel und Kapazitäten, den Überblick zu wahren. Auch wurde verstärkt die Abstimmung mit anderen Verbänden z.B. im Netzwerk Normung betrieben. Derzeit nehmen die Länderarchitektenkammern und die Bundesarchitektenkammer in mehr als 50 Gremien Einfluss.
Eine Liste der Entsendungen finden Sie hier. (PDF-Dokument, 37.3 KB)